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Reisebericht Santo Domingo – das Herz der Dominikanischen Republik

Seit mittlerweile mehr als 2,5 Jahren lebe ich in Santo Domingo – höchste Zeit also, mal einen ausführlicheren Blogpost über diese riesige Metropole zu schreiben, denn sie bringt viele Eigenschaften mit, die eine Stadt interessant machen: lateinamerikanisches Temperament, eine der schönsten Altstädte des gesamten Kontinents, ein wandelndes Erscheinungsbild sowie offene und warmherzige Menschen. Doch natürlich ist Santo Domingo nicht nur pures Vergnügen, dafür gibt es in dieser Mega-Metropole viel zu viele Probleme. Doch schauen wir zunächst einmal auf die positiven Seiten. 

Reisezeitraum: Juni 2015 – open end (wohnhaft in Santo Domingo)
Geschrieben: September – Oktober 2017
Veröffentlicht: Januar 2018

>> Zur Übersicht über die Dominikanische Republik
>> Zum detaillierten Bericht über die Zona Colonial
>> Zu den Flughafen-Transfers vom Flughafen Santo Domingo
>> Zum Südwesten des Landes, im Reisebericht Dominikanische Republik I
>> Zum Nordwesten des Landes, im Reisebericht Dominikanische Republik II
>> Zum Zentralgebirge des Landes, im Reisebericht Dominikanische Republik III
>> Zur Cordillera Septentrional, im Reisebericht Dominikanische Republik IV
>> Zur Halbinsel Samaná, im Reisebericht Dominikanische Republik V
>> Zu Punta Cana, im Reisebericht Dominikanische Republik VI

Überblick Reisebericht Santo Domingo

  1. Anreise und Überblick über Santo Domingo
  2. Das Herzstück von Santo Domingo – die Zona Colonial
  3. Sehenswerte Ziele in Santo Domingo außerhalb der Zona Colonial
  4. Armut, Gewalt und Müll – die Probleme von Santo Domingo
  5. Fazit

Anreise und Überblick über Santo Domingo

Santo Domingo ist mit rund 3 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Dominikanischen Republik. Touristisch bekannt ist sie vor allem wegen seiner Kolonialzone, der historischen Altstadt und gleichzeitig dem attraktivsten Teil von Santo Domingo. 

Santo Domingo befindet sich an der Südküste der Dominikanischen Republik, ungefähr in der Mitte der Ost-West-Ausdehnung des Landes. Diese zentrale Lage macht die Hauptstadt zudem zum Verkehrsknotenpunkt des Landes, denn nahezu alle längeren Busverbindungen starten und enden in Santo Domingo. Von hier aus sind auch alle Ziele der Dominikanischen Republik in 3 oder maximal 4 Stunden zu erreichen – mit Ausnahme vielleicht der im äußersten Westen an der Grenze zu Haiti gelegenen Ziele wie Pedernales, Jimaní, Dajabon oder Monte Cristi

Gazcue, ein beliebter Stadtteil in Santo Domingo

Santo Domingo hat eine riesige Ausdehnung, wobei 90% der Viertel für den regulären Touristen als auch für mich als seit mehr als 2 Jahren in der Stadt lebender Resident völlig uninteressant sind. Einige davon, die klassischen Barrios (analog zu den Favelas in Rio de Janeiro, den Slums in Port-au-Prince oder den Townships in Südafrika) sollte man sogar ganz meiden. Aber keine Angst, in so ein Barrio gerät man nicht Ausversehen hinein – die Umgebung kündigt sich von alleine an, sodass man mit gesundem Menschenverstand automatisch wieder umdreht. 

Interessant sind daher vor allem die Zona Colonial, Gazcue, Piantini, Naco, die beiden (aus sozialen Gesichtspunkten) wichtigsten Grünflächen in Santo Domingo (Botanischer Garten und Mirador del Sur) sowie im Osten die beiden Sehenswürdigkeiten Faro Colón und Los Tres Ojos. 

Offiziell teilt sich Santo Domingo übrigens in verschiedene Bereiche auf und die Wortverwendung kann manchmal irreführend sein:
Santo Domingo de Guzman – oft nur Santo Domingo genannt, ist die Hauptstadt der Dominikanischen Republik und umfasst das Kerngebiet des Großraums Santo Domingo
Distrito Nacional – ist die Provinz mit dem gleichen Gebiet wie Santo Domingo de Guzman, insgesamt hat die Dominikanische Republik 31+1 Provinzen
Santo Domingo – ist die Provinz, die den Distrito Nacional und damit die Kernzone von der Stadt Santo Domingo de Guzman umgibt und aus verschiedenen Städten (u.a. Santo Domingo Este, Santo Domingo Norte und Santo Domingo Oeste) besteht
Santo Domingo Este – ist die größte Stadt (und Hauptstadt) im Distrikt Santo Domingo und zugleich Heimat von Sehenswürdigkeiten wie Los Tres Ojos oder dem Faro Colon. Die Stadt befindet sich östlich des Rio Ozama und damit direkt gegenüber von der Zona Colonial
Santo Domingo Norte – ist eine Stadt im Norden von Santo Domingo, nördlich des Rio Ozama und damit ebenfalls Teil der Metropolregion Santo Domingo
Santo Domingo Oeste – ist der westliche Teil der Metropolregion

Für Besucher ist Santo Domingo aber im Prinzip auch nur als eine Stadt erkennbar, denn die Übergänge sind fließend und Unterschiede gibt es praktisch nicht. Offiziell hat die Stadt Santo Domingo demnach auch nur 1 Million Einwohner, doch mit Santo Domingo Norte, Este und Oeste sind es rund 3,5 Millionen. Zudem würde kein Einwohner von Santo Domingo sagen „ich fahre jetzt mal in die Stadt Santo Domingo Este“. Es ist einfach eine riesige Stadt, in der es keine Grenzen gibt.

Doch wie kommt man überhaupt nach Santo Domingo? Am besten natürlich mit dem Flugzeug. Der Las Américas International Airport befindet sich rund 30 Kilometer außerhalb der Stadt und ist je nach Tageszeit rund 30 bis 60 Minuten Fahrt entfernt. Informationen über die Transportmöglichkeiten vom und zum Flughafen findet Ihr in diesem Blogpost
Die besten Flugmöglichkeiten gibt es in der Regel mit Jetairfly (ab Brüssel, meist richtig tolle Preise), Condor (direkt und bequem ab Frankfurt) sowie mit Iberia, Air Europa und Air France (Tarife meist schwankend) von vielen verschiedenen Flughäfen über deren Drehkreuze Paris und Madrid. Natürlich gibt es auch zahlreiche Flugverbindungen ab den USA (vor allem Fort Lauderdale, Miami, New York, Atlanta und San Juan), doch diese sind meist eher umständlich. Gibt es keine günstigen Flüge nach Santo Domingo lohnt es sich, nach Verbindungen mit Ziel Punta Cana oder Puerto Plata zu suchen. Gerade zum Flughafen Punta Cana, dem Urlaubsparadies Nr. 1 in der Karibik und der Dominikanischen Republik, lässt sich eigentlich fast immer irgendeine günstige Flugverbindung finden. 

Der Flughafen Las Américas von Santo Domingo

Das Herzstück von Santo Domingo – die Zona Colonial

Wer Santo Domingo besucht, wird sicher als erstes die Zona Colonial ansteuern. Nicht nur, dass es die alles dominierende, attraktivste und spannendeste Attraktion der Dominikanischen Republik ist, auch die schönsten Unterkünfe – vor allem kleine Boutique-Hotels und persönlich geführte Gästehäuser – befinden sich hier. 

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass sich ein Abstecher für 2 Tage in die Zona Colonial auf jeden Fall lohnt. Die vielen bunten Häuser, die Jahrhunderte alten Gebäude, die vielen kleinen Cafés und Shops sowie ein vor allem für Dominikaner sehr aktives Nachtleben, in welches man sich als Besucher untermischen kann, sind nur einige der Vorzüge, die einen in der Zona Colonial erwarten. Ich würde sogar soweit gehen und die historische Altstadt von Santo Domingo als den kulturell spannendsten und sehenswertesten Ort der gesamten Karibik einordnen. 

Der Plaza Colon mit der Kathedrale im Hintergrund

Da ich hier einen sehr ausführlichen und separaten Artikel über die Zona Colonial geschrieben habe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz auf die verschiedenen Aspekte eingehen. 

Pflicht eines jeden Besuchs in der Dominikanischen Republik ist ein Stadtrundgang in der Zona Colonial. Besonders sehenswert ist der Plaza España mit dem darauf befindlichen Casa Colón, dem Haus von Columbos‘ Sohn. 

Der Plaza Espana, der prestigeträchtigste Platz der Zona Colonial

Das gleich daneben befindliche Museo de las Casas Reales, welches für einen geschichtlichen Einblick über Hispaniola und die Dominikanische Republik besucht werden kann, ist für mich eines der schönsten Gebäude der Zona Colonial in Santo Domingo. 

Das Museo Casa Real in der Zona Colonial, quasi das alte Königsmuseum

Generell lohnt es sich vor allem, in der Zona Colonial durch die verschiedenen Gassen zu schlendern, die Eindrücke sammeln und sich einfach ein bisschen treiben zu lassen. Vor allem aufgrund der vielen historischen Gebäude, die zum Teil hübsch renoviert sind sowie die bunten und individuell verzierten Fassaden sind sehr sehenswert und erlauben eine spannende Entdeckungstour durch dieses UNESCO-Weltkulturerbe. 

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Der Plaza Espana, der prestigeträchtigste Platz der Zona Colonial

Der Parque Duarte in der Zona Colonial, der wochtigste Treffpunkt der Einheimischen

Wer sich schließlich tagsüber ausreichend mit der Historie ausgetobt hat, kann am Abend dann in die Gegenwart starten – nämlich in das einmalige Nachtleben der Zona Colonial. Zunächst einmal gibt es hier eine unzählige Bandbreite von Essensmöglichkeiten, angefangen vom leckeren Empanadastand über kreative Spezialitätenläden bis hin zu sehr gehobener dominikanischer und internationaler Küche in elegantem Ambiente. Einige konkrete Empfehlungen finder Ihr auch im oben bereits erwähnten Artikel über die Zona Colonial

Kalenda. das einzige vegane Restaurant in der Zona Colonial

Weiter geht es schließlich mit den aktiven Spots der Zona Colonial – denen, wo man entweder in das bunte Treiben am Colmado eintaucht oder aktiv das Tanzbein schwingt. Beides lieben die Dominikaner und beides ist in Santo Domingo nirgendwo so gut möglich wie in der Zona Colonial. Trotz oder gerade wegen der internationalen Ausrichtung ist dies auch eine der Lieblings-Ausgehgegenden der Dominikaner, sodass man kein authentischeres Bild vom Nachtleben bekommen könnte, ohne jedoch als Ausländer sofort aufzufallen, wie es zum Beispiel auf dem Land der Fall wäre. Was Euch zum Beispiel im Parque Duarte erwartet und welche andere Spots Ihr kennenlernen solltet, findet Ihr ebenfalls hier im separaten Artikel über die Zona Colonial

Der Parque Duarte in der Zona Colonial, der wochtigste Treffpunkt der Einheimischen - vor allem bei Nacht

Einen speziellen Punkt für die Abendgestaltung muss ich jedoch noch ansprechen, der auch für jene, die sich nicht als Nachtschwärmer zählen, ein Must-Do it: Bonye. Dabei handelt es sich um ein kostenloses Freiluft-Konzert, welches jeden Sonntag ab 18:00 Uhr neben den Ruinen von San Francisco stattfindet. In dieser beeindruckenden historischen Kulisse spielt eine Band die heißen dominikanischen Salsa-, Merengue- und Bachata-Rhythmen, zu der eine riesige Menschentraube fröhlich tanzt – definitiv eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Santo Domingo. 

Bonye, ein Volksfest und absolutes Muss - jeden Sonntagabend in der Zona Colonial

Last but not least sei Euch die Zona Colonial auch noch als Stadtteil für Eure Unterkunft empfohlen. Sie bietet den optimalen Standort für Erkundungen der Stadt, ist sicher, zentral und Ihr befindet Euch hiermit direkt mittendrin im Geschehen. Zudem bieten die historischen Gebäude einen idealen Rahmen für eine authentische Unterkunft und bei einigen Gästehäusern sogar den Rahmen für eine kleine Zeitreise. Stellt Euch einfach vor Ihr wohnt in einem Zimmer mit Jahrhunderte alten Mauern, mit Blick auf einen gemütlichen Innenhof und mit historischen Gemälden und authentischen Repliken – ist das nicht Zona Colonial Atmosphäre pur? 

Eine der so genannten Callejones der Zona Colonial, kleine Gassen ohne Autoverkehr

Einige empfehlenswerte Unterkünfte, die diesem Bild entsprechen oder sehr nahe kommen, sind zum Beispiel das Villa Colonial 154 oder das Portes 9, im gehobenen Bereich das Dona Elvira oder das Luca Hotel oder auch in Luxus-Segment das Hotel Billini, das Hotel Nicolas de Ovando oder das Hotel Casas de XVI. Historische Atmosphäre kommt garantiert bei allen auf – und es gibt noch so viele mehr. Lasst Euch einfach von den Fotos, Bewertungen und den obigen Empfehlungen leiten, wenn Ihr Eure Unterkunft bucht. Eins ist jedoch klar: die Zona Colonial ist für Eure Unterkunft Pflicht, wenn nicht gerade triftige Gründe dagegensprechen. 

Das Hotel Nicolas de Ovando mit einem hübschen historischen Innenhof

Ausführlichere Informationen über die Kolonialzone findet Ihr wie schon erwähnt in meinem separaten Artikel über die Zona Colonial

Sehenswerte Ziele in Santo Domingo außerhalb der Zona Colonial

Auch wenn die Zona Colonial die Hauptattraktion von Santo Domingo ist, hat die Millionen-Metropole auch noch einige andere Sehenswürdigkeiten zu bieten, auch wenn keine davon das ganz große Highlight ist. 

Naturgemäß denken viele bei einer Stadt am Meer immer an eine hübsche Promenade direkt am Hafen bzw. am Meer. Dies ist leider in Santo Domingo nur sehr bedingt der Fall. Zwar ist der Malecon gerade bei schönem Wetter vor allem eine hübsche Joggingstrecke, richtiges Leben fehlt hier aber, sodass gerade bei Dunkelheit auch schnell Geisterstimmung einkehrt. 

Der Malecon, die Uferpromenade von Santo Domingo

Übrigens gibt es diese Promenade auf beiden Seiten der Stadt, in Santo Domingo West und in Santo Domingo Ost, wobei sie im Osten deutlich belebter ist. 

My Travelworld Info-Box: Umherkommen in Santo Domingo
Wer sich innerhalb der verschiedenen Stadtteile von Santo Domingo bewegen möchte, bestellt sich am besten ein Taxi von den zahlreichen Taxi-Zentralen. Dies ist der günstigste und sicherste Weg, um Santo Domingo zu entdecken. Ich bin immer mit Aero Taxi unterwegs, die sich unter 809-682-1212 erreichen lassen. Spanischkenntnisse sind allerdings unerlässlich. Alternativ gibt es in Santo Domingo seit rund einem Jahr auch Uber. Taxis kosten für die meisten Strecken zwischen 150 und 250 DOP, also rund 3-5 Euro.
Wer Backpacker ist und mit ganz schmalem Budget die Stadt erkundet, kann auch die so genannten Carro Publicos nutzen. Dies sind Sammeltaxis, die auf festgelegten Routen fahren und in der Regel 25 DOP kosten, also rund 50 Cent. Das System ist aber nicht immer einfach zu verstehen, also fragt am besten einen Einheimischen. Weitere Infos zum ÖPNV gibt es auch hier in meinem Artikel über Guaguas, Busse und Taxis in der Dominikanischen Republik.

 

Empfehlenswerter ist da schon ein Blick zum Faro Colon, ein Riesen-Monument aus der Zeit des Präsidenten Joaquin Balaguer, welches auch als Columbus-Leuchtturm bekannt ist. Der riesige Bauklotz ist nicht besonders schön, aber in seinen Ausmaßen beeindruckend und kann auch von innen besichtigt werden. 

Der Faro Colon, Monument und Wahrzeichen von Santo Domingo

Nicht weit davon entfernt befindet sich Los Tres Ojos, ein interessantes Höhlensystem mit blauen Lagunen. Sehr spannend ist, dass sich diese kleine grüne Oase mitten im Stadtgebiet von Santo Domingo befindet. Los Tres Ojos ist sogar als Nationalpark ausgezeichnet, was meiner Ansicht nach ein wenig übertrieben ist, doch interessant ist ein Besuch allemal. Schwimmen ist hier jedoch leider nicht möglich. 

Los tres Ojos, ein Nationalpark mitten in der Stadt

Ebenfalls sehr grün ist der Botanische Garten von Santo Domingo. Auch dieser ist im Vergleich zu anderen Städten dieser Welt sicher kein Unikum, aber ein hübsches Fleckchen im chaotischen Santo Domingo ist er allemal. 

Der Botanische Garten, eine grüne Oase mitten im hektischen Santo Domingo

Ebenso eine grüne Lunge und gut für Parkliebhaber, Spazierfanatiker oder einfach nur Ausgleich Suchende geeignet ist der Parque Mirador del Sur. Er zieht sich über rund 5 Kilometer parallel zum Malecon und ist gerade am Wochenende eine ideale Möglichkeit, Dominikaner aller Gesellschaftsschichten und Altersklassen zu treffen und zu beobachten. 

Der Parque Mirador del Sur, ein Park zum Entspannen und Joggen

Wer sich die verschiedenen Stadtviertel anschauen möchte, macht dies am besten per Taxi. Die interessantesten Regionen liegen allesamt wie auch die Zona Colonial im westlichen Teil von Santo Domingo. 

Wer sehen möchte, wo die Upper Class von Santo Domingo wohnt, steuert am besten Bella Vista (nahe dem Parque Mirador del Sur), Piantini, Naco (jeweils im Zentrum) oder Arroyo Hondo im Norden an. Während in Bella Vista noch eher die gehobene Mittelschicht zu finden ist, sieht man in Arroyo Hondo regelrecht die Korruption und Vetternwirtschaft aus den opulenten Villen und zugehörigen Luxuskarossen platzen – natürlich nicht bei allen Häusern. Piantini ist wiederum das Finanz- und Botschaftsviertel von Santo Domingo. 

Blick bei Nacht auf das Finanzviertel Piantini

Während auch die etwas einfacheren Wohngegenden in Santo Domingo kein Problem sind und tagsüber problemlos besucht oder befahren werden können, sollte man um die richtig armen Barrios lieber einen Bogen machen. Dazu gehören u.a. Gualey, Los Guandules oder viele Gebiete am Flussufer des Rio Ozama oder Rio Isabella, vor allem in Bereich der nördlicheren Brücken. Aber keine Angst, in solch ein Barrio gelangt man nicht aus Versehen rein. Mit gesundem Menschenverstand kehrt man hier ganz automatisch wieder um. 

In den letzten Jahren sind in Santo Domingo übrigens auch eine Reihe von neuen Shopping-Malls entstanden. Besonders die Agora Mall, die Blue Mall und das Sambil sind hier als bekannteste Vertreter zu nennen. Wer einmal aus dem rauen Leben Santo Domingos in die Glamourwelt der internationalen Marken und des unbegrenzten Konsums fliehen will, ist hier richtig aufgehoben. 

Die Agora Mall, eine der neuen Shopping-Malls in Santo Domingo

Armut, Gewalt und Müll – die Probleme von Santo Domingo

Dieser moderne Anstrich kann aber nicht vertuschen, dass Santo Domingo auch eine ganze Reihe von Problemen hat. Diese bekommt man bei einem zweitägigen Aufenthalt in der Zona Colonial sicher nicht so mit, doch da ich seit mittlerweile mehr als 2,5 Jahren hier lebe, habe ich natürlich einen ganz anderen Blick auf die Dinge der Stadt.  

Prinzipiell ist trotz einer perfekt erscheinenden Welt in den All-Inclusive Resorts und den immer lächelnden Dominikanern die Dominikanische Republik ein klassisches Entwicklungsland, was natürlich und in besonderem Maße auch auf Santo Domingo abfärbt. 

Das Nr. 1 Problem, was wohl vor allem viele Touristen beschäftigt, ist die Kriminalität. Entgegen der weitläufigen Befürchtung ist die Dominikanische Republik ein sicheres Urlaubsland, auch wenn Santo Domingo im Prinzip der Kriminalitäts-Hotspot des Landes ist. Diese Kriminalität richtet sich jedoch äußerst selten gegen Touristen, sondern gegen alle Bevölkerungsschichten. Zudem ist besonders die Zona Colonial durch Kameras und die Touristenpolizei zusätzlich geschützt, sodass man sich hier sehr entspannt bewegen kann. Gerade an den aktiven Tagen in Bezug auf das Nachtleben (Donnerstag bis Sonntag) ist es kein Problem, auch nachts durch die Kolonialzone zu laufen. Generell gilt natürlich, dass man seine Wertsachen ohnehin zu Hause lässt und nicht den Eindruck erwecken sollte, es gäbe etwas zu holen. Das gilt aber im Prinzip für ganz Lateinamerika. 

Wirft man mal einen Blick über den touristischen Rand hinweg, ist es schwer, ein klares Bild zu zeichnen. Auf der einen Seite gibt es natürlich täglich dutzende Vorfälle, auf der anderen Seite ist das in einer 3-Millionen-Metropole auch normal. Häufigste Form der Kriminalität hier in Santo Domingo sind Raubüberfälle mit vorgehaltener Waffe, bei denen aber, insofern man „kooperativ“ seine Wertsachen herausgibt, nichts passiert. Da diese Masche in Santo Domingo nahezu allgegenwärtig ist, sollte man vor allem bei Dunkelheit mit Ausnahme der Zona Colonial nicht allein auf leeren Straßen laufen. Taxis sind sehr günstig und im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Städten wie Lima, La Paz oder Buenos Aires auch sehr sicher. 

Ein Grund für die vorhandene Kriminalität ist sicher die große Armut, die vor allem in Santo Domingo sehr stark spürbar ist. Die Anzeichen hierfür sind vielfältig: Bettler in der Zona Colonial, viele Barrios ohne gewährleistete Strom- und Wasserversorgung und eine große Anzahl an fliegenden Händlern, die irgendwie versuchen, ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen. Gerade in den mehr oder weniger normalen Nachbarschaften von Santo Domingo sieht man das einfache und schwere Leben der Dominikaner, was angesichts des monatlichen Mindestlohns von rund 200 USD und den im Gegensatz dazu hohen Preisen auch kein Wunder ist. Wer will es dann jemandem verdenken, wenn er sich mit einem geklauten Mobiltelefon – die beliebteste Raubware in der Dominikanischen Republik – einen kleinen Zusatzverdienst verschafft. 

Armut und mangelnde Bildung, das gehört oft zusammen, auch in Santo Domingo. Wer bedenkt, dass die Dominikanische Republik den letzten Platz in der Pisa-Studie belegt, muss sich nicht wirklich wundern. Das schlägt sich dann auch auf das Leben nieder. Wie soll man wissen, wie man seine Finanzen plant, wie man sein Leben zielführend organisiert oder wie man Probleme löst, wenn man es weder in der Schule noch in der Familie beigebracht bekommt?

Eine Folge der mangelnden Bildung ist auch das Müllproblem in Santo Domingo. Es findet einfach keine Erziehung statt und das Problem, dass sich die Dominikaner ihre eigene Zukunft und ihr eigenes Land vermüllen, wird einfach nicht gesehen. Aus diesem Grund wird der Müll einfach nur auf die Straße geschmissen, entweder wild durcheinander oder manchmal auch gesammelt. Zwar gibt es eine Müllabfuhr und besonders die Zona Colonial wird jeden Tag mehr als gründlich gesäubert, doch an den Müllbergen und dem riesigen Plastikkonsum kommt man trotzdem nicht vorbei – leider.

Müll, ein allgegenwärtiges Problem in Santo Domingo

Bleiben noch zwei Probleme von Santo Domingo, auch wenn diese typisch für die meisten lateinamerikanischen Städte sind. Das erste ist der Verkehr, der leider vor allem in den Hauptverkehrsstunden die Straßen in eine einzige Blechlawine verwandelt. Schneller als Schrittgeschwindigkeit geht da selten etwas. Auch aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass ihr wie oben beschrieben in der Zona Colonial wohnt, damit ihr nicht Eure kostbare Urlaubszeit im Stau verschwendet. Ich bin jedenfalls sehr froh, in der selben Gegend zu arbeiten, wo ich auch wohne und ausgehen kann, sodass ich mich nur sehr selten an den endlosen Autoschlangen anstellen muss. 

Last but not least hatte ich oben bereits die fetten Villen der korrupten Politiker und Unternehmer erwähnt. Klar ist dies auch ein Problem im gesamten Land, doch gerade in Santo Domingo mit diesem krassen Kontrast aus der bitterarmen Bevölkerung in den Barrios und den reichen Eliten wird das Problem besonders deutlich. 

Fazit

Wie Ihr seht, es ist nicht alles so goldig, wie es die Tourismuswerbung vielleicht präsentieren möchte. Die Probleme der Stadt sind einfach nicht zu übersehen, auch wenn man als Tourist, der nur die Zona Colonial besucht, nicht allzu viel davon mitbekommt. 

Gerade als Besucher in der Dominikanischen Republik gehört Santo Domingo als wichtigstes und historischstes Kulturgut aber einfach zum Pflichtprogramm, vor allem die Zona Colonial, die mit ihrem Charme einfach einzigartig und unvergleichbar ist. Zudem ist Santo Domingo ein idealer Ausgangspunkt für Reisen durch die Dominikanische Republik, da das Straßensystem nahezu sternenförmig angelegt ist.

Als Resident ist Santo Domingo ebenfalls keine uninteressante Wahl, vor allem, wenn man wie ich in der Zona Colonial wohnt. Die historischste Kulisse der Karibik direkt vor der Tür zu haben sowie jederzeit innerhalb von 60 Sekunden in das attraktive Bar- und Nachtleben von Santo Domingo eintauchen zu können, ist einfach unersetzlich und genieße ich sehr. Auch den zentralen Ausgangspunkt für Reisen im Land schätze ich sehr, denn innerhalb von 3 Stunden Busfahrt kann ich mindestens 80 Prozent der Dominikanischen Republik erreichen. Lediglich der Strand und die Natur fehlt mir im riesigen Santo Domingo manchmal, aber dazu unternehme ich dann meine zahlreichen Reisen im Land, die Ihr unter anderem in den folgenden weiteren Reiseberichten nachlesen könnt:
Zum Reisebericht Dominikanische Republik II über den Südwesten des Landes
Zum Reisebericht Dominikanische Republik II über den Nordwesten des Landes
Zum Reisebericht Dominikanische Republik III über die Cordillera Central
Zum Reisebericht Dominikanische Republik IV über die Cordillera Septentrional
Zum Reisebericht Dominikanische Republik V über die Halbinsel Samaná

About Chris

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich mehr als 60 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Seit Juli 2015 wohne ich nun - die Karibik hat es mir sehr angetan - in der Dominikanischen Republik und werde neben der Arbeit das Land abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkunden. Für Fragen und Feedback freue ich mich über jeden Kommentar. Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite. Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen: 1. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben >>> 2. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat >>> 3. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps


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