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Das Leben im Unesco-Weltkulturerbe – Santo Domingos Zona Colonial

Wer hier einen Reiseführer oder eine To-Do-Liste für die Zona Colonial erwartet, wird enttäuscht werden. Zwar ist die historische Altstadt von Santo Domingo das größte Kulturgut, was die Dominikanische Republik zu bieten hat, doch wenn man 2 Jahre in der „Zone“, wie alle die Zona Colonial liebevoll nennen, lebt und arbeitet, stehen die Prioritäten doch ein wenig anders. Spannend ist hier vor allem das Leben auf der Straße, welches sich hier freudig seinen Weg durch die historischen Gassen und engen Straßen bahnt und welches die Atmosphäre der Kolonialzone so angenehm machen. Und auch das Nachtleben im sichersten und aktivsten Bezirk von Santo Domingo hat einiges zu bieten und ist im wahrsten Sinne des Wortes heiß, was nicht nur an den Temperaturen liegt, sondern auch am einzigartigen Mix aus Einheimischen und Residenten. Kommt mit auf eine kleine Reise durch mein hiesiges Leben und lernt die „Zone“ aus der Sicht eines Einwohners kennen.

Reisezeitraum: Juni 2015 – open end (wohnhaft in Santo Domingo)
Geschrieben: September – Oktober 2017
Veröffentlicht: Januar 2018

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Überblick Zona Colonial

  1. Die Zona Colonial als Kontrast zu Santo Domingo
  2. Der touristische Part: die Sehenswürdigkeiten der Kolonialzone
  3. Die Straßen und Gassen der Zona Colonial
  4. Die Hangout-Spots der Locals
  5. Das heiße Nachtleben in der Kolonialzone
  6. Meine kulinarischen Highlights in der Zona Colonial
  7. Die Entwicklung der Zona Colonial

Die Zona Colonial als Kontrast zu Santo Domingo

Die Kolonialzone von Santo Domingo ist definitiv ein krasser Kontrast zu vielen der übrigen Stadtgebiete. Es gibt kaum Staus, die Müllabfuhr kommt bis zu dreimal am Tag, täglich werden Bürgersteige und Fußwege gesäubert, es gibt entspannte Zonen zum Flanieren inkl. Cafés und hübschen Lädchen, die Kriminalität ist vergleichsweise gering und es herrscht ein guter Mix zwischen Einheimischen, im Land lebenden Ausländern sowie Touristen. All das macht die Zona Colonial zwar nicht ruhig, aber dennoch zu einem sehr gemütlichen Plätzchen, wo die Uhren immer etwas langsamer ticken als in der sonst so hektischen und lauten Metropole Santo Domingo. Als Ort zum Wohnen ist die Zona Colonial daher optimal, egal ob als Tourist für ein paar Tage oder wie ich als Resident für mehrere Jahre.

Die Zona Colonial befindet sich im Zentrum von Santo Domingo direkt an der Südküste der Dominikanischen Republik – dort wo vor rund 500 Jahren alles begann. Schon Christopher Columbus oder Sir Francis Drake landeten hier mit ihren Schiffen, auch wenn der ursprüngliche Beginn auf der gegenüber liegenden Flussseite war. Nur aufgrund eines verheerenden Hurrikans im Jahre 1502 wurde die Stadt schließlich auf jener Seite aufgebaut, auf der sie sich heute befindet.

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Begrenzt wird die Zona Colonial im Süden vom Karibischen Meer, im Osten vom Fluss Rio Ozama und im Norden sowie im Westen von der sich gefühlt endlos ausdehnenden Großstadt Santo Domingo, die sich auch hinter dem Rio Ozama um endlose Betonalleen weiterzieht. Die Kernzone der Zona Colonial wird begrenzt vom Parque Independencia, der Calle Arzobispo Portes sowie der Calle Las Mercedes und dem Plaza Espana. Obwohl sich die Zona Colonial direkt am Meer befindet, ist dieses an dieser Stelle überhaupt nicht besuchenswert, da zum Einen der ganze Müll des Rio Ozama hier an Land gespült wird und für ein katastrophales Umwelt-Desaster sorgt, zum Anderen gibt es im Rahmen der Kolnialzone keine einladende Strandpromenade, sondern stattdessen nur eine gerade bei Nacht recht finstere Straße am Meer.

Überblick über einen Teil der Zona Colonial von oben

Der touristische Part: die Sehenswürdigkeiten der Kolonialzone

Aus diesem Grund bleibt dann auch genügend Zeit, die kulturellen Sehenswürdigkeiten und unzähligen historischen Gebäude der Zona Colonial zu sehen.

Mittelpunkt der Zona Colonial ist definitiv die Calle Conde, die zentrale Fußgängerzone. Hier kann man wunderbar entlang spazieren, die verschiedenen (zum Teil, aber nicht überwiegend) touristischen Geschäfte begutachten, natürlich über die anderen Besucher sinnieren und hier und da in die ruhigeren Seitenstraßen abtauchen. Obwohl ich nur einen Block von der Calle Conde entfernt wohne, ist die Fußgängerzone für mich Touristenschaubühne, „Handelsplatz“ (Supermarkt und ein sehr leckeres Café befinden sich hier) und Flaniermeile zugleich. Zwar gibt es eine Reihe von Souvenirläden, dennoch hat der dominikanische Einfluss eindeutig die Oberhand.

Die Calle Conde, die wichtigste Fußgängerzone in Santo Domingo

Die Calle Conde, die wichtigste Fußgängerzone in Santo Domingo

Hoffen wir, dass dies auch so bleibt, denn die Zona Colonial wird immer stärker dem Tourismus untergeordnet. Auf der einen Seite hat dies natürlich Vorteile, da die Sicherheit sehr hoch ist und Straßenzüge wirklich sehr attraktiv renoviert werden (z.B. die Calle Isabel de Catolica oder die Calle Arzobispo Merino – siehe Fotos weiter unten bei den einzelnen Straßenzügen), auf der anderen Seite besteht so die Gefahr, dass vor allem die kleinen dominikanischen Familienbetriebe, die einen Großteil des Charmes der Zona Colonial ausmachen, weichen müssen und die Kolonialzone ihren Charakter verliert.

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Aber zunächst zurück zu den Sehenswürdigkeiten der Zona Colonial, schließlich möchte jeder Besucher dieses Schmuckstück von Santo Domingo ein bisschen erkunden.
Wer die Calle Conde in Richtung Hafen (der übrigens völlig unattraktiv ist) bzw. in Richtung Osten entlang läuft, landet am Plaza Colón. Hier ist eigentlich immer Actión, sei es aufgrund der zahlreichen Touristengruppen, die den „Platz des Columbus“ wegen seiner historischen Wichtigkeit besuchen, aufgrund der daraus resultierenden Kleinkünstler und Souvenirverkäufer oder dank der Locals, die Erholung unter den Schatten spendenden Bäumen suchen – am Plaza Colón ist man garantiert nie allein.

Der Plaza Colon mit der Kathedrale im Hintergrund

Auch die Columbus-Statue ist hier zu sehen.
Seine touristische Anziehungskraft zieht der Plaza Colón natürlich auch aus der daneben befindlichen Kathedrale. Die Basílica Catedral de Santa María de la Encarnación ist historisch nicht nur das wichtigste religiöse Gebäude von Santo Domingo, sondern war auch die Erste Kathedrale der so genannten „Neuen Welt“, sprich von Amerika.

Die älteste Kathedrale der Neuen Welt, die Basilika von Santo Domingo

Für 150 Peso Eintritt (ca. 3 Euro) kann man die Kathedrale auch besichtigen. Einen Audio-Guide mit einigen geschichtlichen Hintergründen gibts es mit dazu.

Die älteste Kathedrale der Neuen Welt, die Basilika Santa María la Menor in Santo Domingo

Die älteste Kathedrale der Neuen Welt, die Basilika Santa María la Menor in Santo Domingo

Wenn wir schon gerade bei Columbus waren: die zweite große Sehenswürdigkeit der Zona Colonial in Verbindung mit dem wohl berühmtesten Seefahrer und Entdecker ist das Casa Colón, das Haus des Columbus – bzw. eigentlich von Columbus‘ Sohn. Für einem Eintritt von 100 Peso kann es ebenfalls besichtigt werden, wobei die Inhalte und Ausstellungsstücke begrenzt und nur bedingt interessant sind. Ein tolles Bild gibt das Haus des Columbus aber allemal ab.

Casa Colon, das Haus von Columbus Sohn

Das Casa Colón befindet sich wie auch die Kathedrale an einem prestigeträchtigen Ort, nämlich dem Plaza España. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass es sich hierbei um den edelsten und sicher am Abend auch romantischsten Platz von ganz Santo Domingo handelt. Hier treffen sich am Abend die gehobene Klasse der Stadt sowie viele Touristen, die in gehobener Atmosphäre mit Blick auf das Columbus-Haus dinnieren wollen.

Der Plaza Espana, der prestigeträchtigste Platz der Zona Colonial

Der Plaza Espana, der prestigeträchtigste Platz der Zona Colonial

Die zwei genannten großen Fixpunkte, der Plaza España sowie der Plaza Colón sind übrigens (fast) mit der Calle Las Damas verbunden, der ältesten Straße der Neuen Welt. Auch hier lohnt sich, wie in der gesamten Zona Colonial, ein Spaziergang, vor allem aufgrund der besonders historischen Fassaden.

Die Calle Las Damas, die älteste Straße der Neuen Welt

An der Calle Las Damas befinden sich dann auch zwei Punkte, die unbedingt Beachtung verdienen. Zum Einen ist es das Fortaleza Ozama, die Festung der Zona Colonial, von der früher Santo Domingo gegen einrückende Seefahrer verteidigt wurde und welches später als Gefängns diente.

Die Festung von Santo Domingo, die Fortaleza Ozama

Von hier aus hat man auch einen sehr guten Blicken auf das unglaublich unattraktive Hafengelände, den noch unglaublich dreckigeren Rio Ozama sowie das gegenüber liegende Flussufer, welches im 15. Jahrhundert eigentlicher Standpunkt von Santo Domingo war, bevor es von einem Hurrikan verwüstet und am heutigen Standpunkt neu aufgebaut wurde. Mittlerweile hat sich diese Metropole so sehr ausgedehnt, dass beide Seiten zu Santo Domingo gehören.

Blick von der Zona Colonial auf den Rio Ozama

Zweiter und ein wirklich sehr sehenswerter Punkt ist das Casa de Museo Reales. Dieses ehemalige Königshaus bietet im Inneren einige interessante geschichtliche Ausstellungsstücke, ist aber vor allem von außen ein echtes (fast 500 Jahre altes!) Schmuckkästchen.

Das Museo Casa Real in der Zona Colonial, quasi das alte Königsmuseum

Wer noch einige andere Dinge sehen möchte, kann zum Beispiel den Besuch einer kleiner Zigarrenmanufaktur, des Larimarmuseum oder des Telekommunikationsmuseum erwägen – alles auch gute Schlechtwetter-Optionen. Zum Glück gibt es aber so gut wie keine reinen Regentage in Santo Domingo.

Die Straßen und Gassen der Zona Colonial

Die eigentliche Attraktion der Zona Colonial sind aber meiner Meinung nach ohnehin die vielen Straßenzüge mit ihren historischen Häusern, von denen jeder einen anderen Charakter hat und die das Entdecken der Kolonialzone so spannend macht. Aus diesem Grund empfehle ich jeden Besucher, einfach mal den Reiseführer und die To-Do-Liste zu Hause zu lassen und sich durch die Zona Colonial treiben zu lassen.

My Travelworld Tipp
Für einen gemütlichen Spaziergang durch die einzelnen Gassen und Straßen eignet sich am besten die Kernzone der Zona Colonial zwischen den Straßen Arzobispo Portes, Sanchez, Las Mercedes und Las Damas.

Wer sich vor allem für die renovierte Zona Colonial interessiert, wird an den oben bereits erwähnten Straßen Calle Isabel de Catolica und Calle Arzobispo Merino seine Freude haben. Diese Teile der Zona Colonial wirken sehr aufgeräumt und modern und können ein (positiver oder negativer – je nach Sichtweise) Vorgeschmack dessen sein, wie die Zona Colonial in 10 Jahren aussehen kann.

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Etwas älter und authentischer sind dem hingegen Straßen wie die Calle Hostos, die Calle Duarte, die Calle 19 de Marzo oder die Calle Jose Reyes. Hier kann man immer wieder ganz verschiedene Gebäudetypen entdecken, angefangen von alten und verfallenen Häusern bis hin zu hübschen, gut instand gehaltenen und bunten Fassaden.

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

All diese Straßen verlaufen von Nord nach Süd. Bei den von West nach Ost verlaufenden Routen ist das Bild nicht ganz so einheitlich, da meist der westliche Teil nicht modernisiert ist, der östliche jedoch schon. Dies führt zu spannenden Kontrasten, die man so innerhalb weniger hundert Meter erleben kann. So zum Beispiel auf der Calle Las Mercedes oder der Calle Padre Billini.

Eine der vielen bunten Straßenzüge in der Zona Colonial in Santo Domingo

Die Calle Las Mercedes, eine der typischen Straßen in der Zona Colonial

Interessant sind auch die Straßen, die eher außerhalb des Radars liegen, weil sie sehr kurz sind und man sie daher meistens weder durchläuft noch durchfährt. Beispiele hierfür sind die Calle Salome Urena sowie die Calle Luperon – beide ruhig, gemütlich und sehenswert.

Detailreiche Straßengestaltung in der Zona Colonial von Santo Domingo

Noch ruhiger ist es in den so genannten Callejons – das sind kleine Gassen, die für den Autoverkehr gesperrt sind. Diese sind regelrecht idyllisch – vom hektischen Großstadtleben ist hier gar nichts mehr zu spüren, manchmal könnte man sogar eine Stecknadel fallen hören.

Eine der so genannten Callejones der Zona Colonial, kleine Gassen ohne Autoverkehr

Callejons befinden sich zwischen zwischen der Calle Arzobispo Portes und dem Hotel Billini, zwischen selbiger Straße und dem Parque Duarte, zwischen der Calle Padre Billini und der Kathedrale sowie zwischen der Calle Isabela la Catolica und der Calle Las Damas

Eine der so genannten Callejones der Zona Colonial, kleine Gassen ohne Autoverkehr

Wie gesagt, all diese Erkundungen lassen sich am besten zu Fuß durchführen – auch wenn in der Zona Colonial mittlerweile zahlreiche Fahrradgeschäfte eröffnet haben. Die oben beschriebenen Sehenswürdigkeiten und Straßenzüge sind alle in einer Fläche von rund einem Quadratkilometer zu finden. Länger als 10-15 Minuten muss man also zu keinem der Punkte laufen.

My Travelworld Tipp
Beim Spazieren und Laufen der Zona Colonial immer schön die Augen oben halten. Die Dominikanische Republik ist nach wie vor ein Entwicklungsland, sodass auch hier plötzliche Löcher auftauchen, Stromkabel herunterhängen oder andere Hindernisse auftreten können.

Die Hangout-Spots der Locals

Zugegeben, als ich nach Santo Domingo gekommen bin, wollte ich zunächst gar nicht in der Zona Colonial wohnen, da ich es lediglich als Touristenzone abstempelte und dachte, dass das Leben der Einheimischen ohnehin woanders stattfindet. Doch weit gefehlt! Auch wenn natürlich sich eine Vielzahl (allerdings sehr kleiner) Hotels in der Zona Colonial befindet und auch Kreuzfahrtschiff-Ankünfte schnell registriert werden, ist die Kolonialzone dennoch erstaunlich dominikanisch.

Neben den oben schon geschilderten Eindrücken gibt es natürlich eine Reihe von Punkten, wo sich das Leben der Dominikaner (und ebenso auch meines, wenn ich mich mit Freunden treffe) abspielt.
Die Institution schlechthin ist dabei sicherlich der Parque Duarte, ein kleiner, am Tag eigentlich unscheinbarer Park an der Calle Padre Billini zwischen Calle Duarte und Calle Hostos. Wenn es heißt „vamos al parque?“ (übersetzt soviel wie „Gehen wir in den Park?“), weiß jeder im Umkreis der Zona Colonial sofort, was gemeint ist – obwohl kein Name genannt ist und es im Parque Duarte gerade mal eine Hand voll Bäume gibt.

Der Parque Duarte in der Zona Colonial, der wochtigste Treffpunkt der Einheimischen

Am Abend trifft sich hier aber die komplette Szene. Früher war der Parque Duarte ein ausgesprochener Gay-Treffpunkt, heute treffen sich hier jeden Abend Freunde, Pärchen, Unbekannte und einfach jeder, der Lust auf ein Bier, Konversation und ein bisschen Geselligkeit hat. Zudem ist es meistens der Startpunkt für eine Nacht in der Zona Colonial, auch wenn ich mich in der Regel rechtzeitig verabschiede.

Der Parque Duarte in der Zona Colonial, der wochtigste Treffpunkt der Einheimischen - vor allem bei Nacht

Wer mal Abwechslung zum Parque Duarte braucht, kann auch am oben schon vorgestellten Plaza Colon vorbeischauen. Auch hier finden sich Dominikaner aller Altersklassen, mit denen man einfach ins Gespräch kommt.

Apropos oben bereits vorgestellte Orte: auch in der Fußgängerzone Calle Conde kann man ganz easy Locals treffen, auch wenn man das angesichts der touristischen Orientierung nicht unbedingt glauben mag. Vor allem tagsüber und am Wochenende lieben es die Dominikaner, hier flanieren zu gehen. Die Cafés und Eisbuden sind stark frequentiert und besonders spannend ist es, in der Calle Conde den Einheimischen beim Schach spielen zuzusehen.

Schachspieler lassen sich immer wieder in der Calle Conde beobachten

Diejenigen, die es nicht ganz bis zum Schach schaffen, verlieren ihr Herz und ihre Zeit an Domino, das dominikanische Gesellschaftsspiel Nr. 1. Domino wird vor allem an den so genannten Colmados gespielt, der dominikanischen Form des Tante Emma-Ladens. Wenn irgendwo ein Dominotisch draußen steht, finden sich in Sekundenschnelle 4 Spieler, die laut krachend die Steine auf den Tisch knallen. Schaut euch diese gesellige Form des Spielens unbedingt mal an.

Domino ist Volkssport in der Dominikanischen Republik und gibt es selbstverständlich auch in der Zona Colonial

Auch das südliche Ende der Calle Isabela de Catolica ist ein beliebter Treffpunkt. Neben dem kleinen Mini-Park haben hier in den letzten Jahren einige ganz gemütliche und persönliche Bars und Kneipchen eröffnet, die ebenfalls bei den einheimischen Zonenbesuchern sehr beliebt sind.

Ein historisches Straßenschild in der Zona Colonial

Das heiße Nachtleben in der Kolonialzone

Im Prinzip haben wir damit auch schon die direkte Überleitung zum Nachtleben der Zona Colonial, denn einige der oben genannten Orte sind auch zugleich der Startpunkt für eine erfolgreiche, spannende und viel versprechenden Nacht in der Kolonialzone von Santo Domingo.

Zwar bin ich eigentlich nicht wirklich der richtige Ansprechpartner für diesen Abschnitt, denn in der Regel trete ich meist mit Anbruch des neuen Tages den Rückzug an und überlasse die Tanzfläche den ohnehin tanzbegeisterten Dominikanern. Doch natürlich kann auch ich mich nicht komplett dem pulsierenden Nachtleben mit vielen kleinen Bars und Hinterhof-Clubs verschließen und konnte dank meiner mehr als 2 Jahre hier schon ausreichend Erfahrungen sammeln.

Das Columbus-Haus zur langen Nacht der Museen

Wie oben schon beschrieben, beginnt eine Nacht eigentlich oft im Parque Duarte. Wenn man jedoch lieber „offiziell“ Vorglühen und einfach nur gemütlich beisammen sitzen möchte, gibt es auch eine Reihe von wirklich hübschen und empfehlenswerten Bars, in denen sich der Abend perfekt einläuten lässt.

Rund um den Parque Duarte gibt es bereits einige Möglichkeiten, so zum Beispiel den Mercado Colon, wo es in einem angenehmen Innenhof neben guten Speisen auch leckere Getränke gibt. Einen ähnlich hübschen Innenhof – typisch für die Zona Colonial – gibt es auch in der Alpagateria, einem beliebten Treffpunkt von Dominikanern und ausländischen Residenten.

La Alpagateria, ein angesagter Ausgeh-Spot in der Zona Colonial

Wer etwas Kultur, Musik oder Entertainment sucht, kann im Casa de Teatro oder im Drake’s vorbeischauen. Während in ersterem die Mittwoch abendlichen „Tras Noches“ sehr empfehlenswert sind, wo einheimische Privatmusiker einige Songs zum besten geben, gibt es im Drake’s meist zwischen Mittwoch und Sonntag verschiedenste künstlerische Darbietungen.

Drakes, ein abendicher Ausgehspot mit viel Kleinkunst und Show

Nur ein paar Meter weiter vom Casa de Teatro befindet sich auch das Navarricos, welches vor allem bei Liebhabern des günstigen Weines großen Anklang findet. Preiswerter als hier kann man in der Zona Colonial keinen Wein trinken.

Navariccos, der Geheimtipp in der Zona Colonial für günstigen Wein

Einer meiner Favoriten und ebenso Geheimtipps ist auch die Terrasse des Tierra Plana Hostels, welche sich direkt neben den Ruinen von San Francisco befindet. Cocktails für 150 Peso (ca. 3 Euro) sind einfach unschlagbar, vor allem wenn sie so lecker sind wie der Passionsfrucht-Mojito des Hauses.

Das Tierra Plana Hostel, einer der besten Orte in der Zona Colonial für leckere und günstige Cocktails

Alle der vorgestellten Bars und Trink-Spots sind übrigens absolut nicht touristisch frequentiert und bewegen sich überwiegend im unteren Preisbereich. Natürlich gibt es noch viele weitere Spots in der Kolonialzone von Santo Domingo, auch für das etwas gehobenere oder ältere Klientel. Aber irgendwie sind die Treffpunkt Typ „Hole in the Wall“ ja doch am coolsten.

Natürlich fehlt noch das abendliche Highlight schlechthin in der Zona Colonial – Bonye, ein kostenloses Freiluft-Konzert, welches jeden Sonntag an den oben schon erwähnten Ruinen von San Francisco stattfindet. Hierzu finden sich immer mehrere hundert oder sogar tausend tanzwütige Dominikaner ein und bewegen sich in beeindruckend rhythmischer Form zu den Songs der Bonye-Band und im Schatten der historischen Ruinen.

Bonye, ein Volksfest und absolutes Muss - jeden Sonntagabend in der Zona Colonial

My Travelworld Tipp
Wer sonntags in Santo Domingo ist, für den ist das allwöchentliche kostenlose Bonye-Konzert ein Muss.

Und wo geht die Nacht schließlich weiter? Wenn das Bonye-Konzert um 22:00 Uhr zu Ende ist oder man aus einer der Sitzpositionen der Bars in eine tanzende wechseln möchte, stehen vor allem das Paradas, das Onnos und das Lucia zur Auswahl. In allen dreien ist vor allem von Donnerstag bis Sonntag eine große Traube an tanzenden Dominikanern zu finden, die zu den Bachata-, Merengue- und Salsa-Rhythmen die Füße und die Hüften schwingen. Alle drei Lokale sind auch sicher, sodass man hier ohne Bedenken in die Nacht tanzen kann.

Wer übrigens nach 3 Uhr, wenn auch diese Lokale schließlich das Ende einläuten, immer noch nicht genug hat, kann sich noch zu einer versteckten Bar aufmachen. La Resistencia heißt der Ort, wo sich alles trifft, was gerne den Morgengrauen miterleben möchte. Obwohl es hier weder Wegweiser noch ein Eingangsschild gibt und man an einer stinknormalen Haustür klingeln muss, um hineinzukommen, ist hier vor allem am Wochenende noch erstaunlich viel Begängnis. Wollt Ihr also die Nacht in der Zona Colonial komplett machen, lasst Euch von einem Einheimischen oder Residenten zu La Resistencia begleiten.

Meine kulinarischen Highlights in der Zona Colonial

Nach den kulturellen Sehenswürdigkeiten, den Treffpunkten der Einheimischen sowie dem Nachtleben fehlt noch etwas, ohne dass natürlich keine Reise (und auch kein Leben) machbar ist: das Essen. Gerade aufgrund ihrer kleinkunstähnlichen Szene sowie der Kombination aus Touristen-Hotspot und Treffpunkt der Einheimischen hat die Zona Colonial eine ungemein große Auswahl an Leckereien zu bieten. Da gerade die gehobene Gastronomie generell nicht mein Freund ist (von der es natürlich ebenfalls eine unendliche Auswahl in der Zona Colonial gibt), beschränke ich mich hier vor allem auf die interessanten Funde und versteckten Geheimtipps im günstigeren Bereich.

Müsste ich eine Nr. 1 der Zona Colonial in gastronomischer Hinsicht wählen, wäre das wohl das Kalenda. Hierbei handelt es sich um ein organisches und veganes Restaurant, welches vor allem aufgrund seines Mittagstisches für 300 Pesos (ca. 6 Euro) mit Suppe, leckerem Hauptgericht sowie natürlichem Saft mein Favorit ist. Aber auch abends kann man hier sehr gut die frisch zubereiteten Speisen á la carte genießen und in einem lockeren Ambiente eine spannende Reise in die kreative vegane Küche unternehmen.

Kalenda. das einzige vegane Restaurant in der Zona Colonial

Meine Nr. 2 ist das Pizza Colonial. Eigentlich ist es eher ein recht chices italienisches Restaurant mit vielen Wand- und Deckengemälden, welches nicht wirklich in den günstigen Bereich fällt. Allerdings gibt es hier jeden Montag 50% Rabatt auf alle Pizzen, weswegen sich ein Besuch an diesem Tag unbedingt lohnt (genauso wie am Donnerstag zum Pastatag) – und das nicht nur wegen des Preises, sondern weil die Pizzen hier im Pizza Colonial zweifelsohne zu den besten gehören, die ich bisher mit weitem Abstand in der gesamten Dominikanischen Republik gegessen habe. Montags kostet eine dieser Pizzen gerade einmal um die 260 Pesos inklusive Steuern – das sind gerade einmal um die 5 Euro.

Pizza Colonial, die beste Pizza von ganz Santo Domingo

Eine Alternative im Pizzabereich ist auch der im Barbereich schon genannte Mercado Colon, wo es dank Marktstand-Design neben frisch gebackener Pizza auch Sushi, Tapas oder dominikanische Spezialitäten gibt. Dank den hier nicht anfallenden 28% Steuern bewegen sich die Preise im humanen Rahmen – eine Pizza ist zwischen 6 und 7 Euro zu haben, wenngleich nicht ganz so exklusiv wie im Pizza Colonial.

Mercado Colon, ein netter Treffpunkt am Abend mitten in der Kolonialzone

Wenn wir gerade bei Sushi sind, gibt es mit BambamSushi in der Calle Isabela de Catolica den nächsten heißen Tipp. Für rund 200 Pesos – ca. 4 Euro gibt es hier leckeres Sushi im Baukastenprinzip – die Zuataten können selbst gewählt und einfach angekreuzt werden.

Bambam Sushi, günstiges Sushi in der Kolonialzone

Eine lokalere Form des Essens als Sushi sind Empanadas. Diese typisch dominikanischen gefüllten Teigtaschen gibt es oft an jeder Straßenecke, sind aber häufig auch in altem Fett frittiert, statt lecker gebacken, wie es zum Beispiel in Argentinien üblich ist. Einige der besten Empanadas gibt es jedoch im italienischen Empanada-Laden in der Calle Sanchez – vor allem die Füllungen hier sind sehr kreativ und meistens gibt es mindestens 10 zur Auswahl. Wer etwas Zeit hat, kann zudem nach den gebackenen Empanadas fragen – super lecker. Als krönenden Abschluss empfehle ich das süße Ricotta-Empanada – ein Traum. Nahezu alle Empanadas kosten um die 50 bis 60 Pesos pro Stück, also ca. 1 Euro.

Die besten Empanadas der Stadt gibt es in der Calle Sanchez in der Zona Colonial

Ebenfalls dominikanisch ist das La Cafetera in der Calle Conde, welches sich seinen historischen Charme bewahrt hat. Aus diesem Grund findet man hier auch eine überwiegend dominikanische Speise- und Snackkarte – genauso wie das Publikum. Hier lässt sich übrigens auch der originale Santo Domingo Kaffee kaufen – frische Bohnen oder frisch gemahlen.

Eine Institution für Café, das La Cafetera in der Calle Conde in der Zona Colonial

Gleich daneben findet sich mit dem Café La Moricette das komplette Kontrastprogramm – neu, modern und eher auf die westlichen Besucher gerichtet. Allerdings hat auch das La Moricette seine Daseinsberechtigung, denn die Feta-, Ziegenkäse-, Tunfisch- oder Hühnchen-Sandwiches für 150 Pesos (ca. 3 Euro) sind einfach unschlagbar und nicht mit den typischen dominikanischen Sandwiches vergleichbar. Das Café La Moricette ist übrigens auch als „französisches Café“ bekannt.

Im Café La Moricette gibt es die besten Sandwiches der Zona Colonial

Direkt gegenüber des Moricette befindet sich eine von 2 Filialen von Jugotherapia in der Calle Conde. Hier gibt es frische Säfte auf Bestellung – auf (empfehlenswerten) Wunsch auch ohne die gefühlten 3 Kilo Zucker, die sonst immer in jedem Glas landen.

Frische und günstige Säfte in der Jugoterapia in der Kolonialzone

Und nochmal nur 20 Meter weiter, ebenfalls in der Fußgängerzone Calle Conde, befindet sich mit dem Nacional der größte und wichtigste Supermarkt der Zona Colonial. Für Besucher ist er vor allem interessant, weil man hier einige brauchbare Souvenirs wie Rum, Cassave, lokale Spezialitäten oder auch organische Produkte aus der Dominikanischen Republik zu günstigen Preisen ohne Touri-Aufschlag kaufen kann. Aus gastronomischer Sicht ist vor allem die Frischetheke interessant, wo es viele recht gute Salate und Sandwiches gibt, die sich perfekt für ein schnelles Mittag eignen.

Auch einen großen Supermarkt gibt es in der Zona Colonial

Wer ebenfalls ein schnelles und günstiges, aber dennoch warmes Mittag sucht, dem sei das Casa de Mojito empfohlen. Hier gibt es jeden Tag (außer sonntags meines Wissens) zahlreiche Essen für 100 Pesos – meistens Reis, Bohnen, Salat sowie Fleisch (z.B. Hähnchen, Kotelett, Hackfleisch o.ä.), also richtig typische schwere dominikanische Küche. Günstiger kann man allerdings nirgendwo in der Zona Colonial essen, zumal die Teller hier immer noch relativ nett angerichtet sind.

Umfangreiche Mittagessen schon ab 2 Euro - einer der besten Lunchspots der Zona Colonial

Die Entwicklung der Zona Colonial

Die Frage ist, wie lange sich solche Niedrigpreis-Angebote in der Zona Colonial halten können. Die Zona Colonial ist das Aushängeschild von Santo Domingo und wird sicher auch in den nächsten Jahren weiter modernisiert werden, um den typischen Touristen inkl. Kreuzfahrtgästen noch mehr (überwiegend künstliche) Angebote präsentieren zu können, zumal es erklärtes Ziel der Regierung ist, bis zum Jahr 2020 10 Millionen Touristen in die Dominikanische Republik zu bringen – und da soll natürlich auch Santo Domingo seinen Beitrag leisten. Leider geht gerade die Modernisierung und „Professionalisierung“ auch einher mit steigenden Mieten, sodass immer die Gefahr besteht, dass die kleinen Geschäfte die Zona Colonial verlassen müssen oder dass Wohnungen teurer bis hin zu unbezahlbar werden. In einigen Straßenzügen der Kolonialzone ist das heute schon der Fall.

Dennoch muss man auch die positiven Aspekte hervorheben, denn die sind unbestritten. Die Zona Colonial ist für Touristen das kulturelle Aushängeschild von Santo Domingo und der gesamten Dominikanischen Republik. Die historischen Sehenswürdigkeiten sind im Karibik-Vergleich einfach unerreicht und das Nachtleben bietet gerade für offene Menschen so viele spannende Möglichkeiten – nicht umsonst gilt Lateinamerika als so leidenschaftlich. Aber auch für ruhigere Zeitgenossen eignet sich die Zona Colonial perfekt, denn die Gegebenheiten zum Flanieren, Entspannen, Leute beobachten und gemütlich einen Kaffee in einen der vielen lauschigen Ecken trinken sind einfach perfekt. Und genau diese Mischung ist es auch, die die Zona Colonial auch zum Leben so einzigartig macht – denn wo sonst kann man direkt im UNESCO-Weltkulturerbe in der Karibik leben, aber dennoch die Vorteile des gesamten lateinamerikanischen Lebens mitnehmen?

Und, Lust bekommen auf die Zona Colonial? Habt Ihr Fragen oder ward Ihr vielleicht bereits einmal hier? Lasst mir einen Kommentar da und schreibt, was Euch in Bezug auf die Kolonialzone von Santo Domingo auf dem Herzen liegt.

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About Chris

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich mehr als 60 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Seit Juli 2015 wohne ich nun - die Karibik hat es mir sehr angetan - in der Dominikanischen Republik und werde neben der Arbeit das Land abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkunden. Für Fragen und Feedback freue ich mich über jeden Kommentar. Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite. Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen: 1. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben >>> 2. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat >>> 3. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps


4 Responses to Das Leben im Unesco-Weltkulturerbe – Santo Domingos Zona Colonial

  1. Sarah

    Toller Artikel! Da bekommt man direkt total Fernweh (bzw Heimweh :P )…

  2. Barbara

    Wie immer, ein ganz toller Bericht, macht Lust, „La Zona“ wiedermal zu durchstreifen.
    (Kleiner Tipp: musst nur Rio Haina mit Rio Ozama ersetzen)

    • Chris (My Travelworld)

      Oops, wo kam denn daher, und das gleich dreimal.
      Danke für den Hinweis, habe es geändert. Schon fast peinlich, blicke ich doch von meiner Wohnung fast auf den Rio Ozama. ;-)

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