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Reisebericht San Cipriano

Reisebericht San Cipriano: mit dem Motorrad auf Schienen in Kolumbiens Regenwald

Es gibt Dinge, die sind so kurios, das man sie gar nicht glauben mag. Da meint man, nach über 60 Ländern schon alle Späße erlebt zu haben und dann findet man bei der Reiseplanung für Kolumbien einen Ort names San Cipriano, der keinen Straßenzugang besitzt und nur per Schiene erreichbar ist. Allerdings gibt es auch keinen Zugverkehr, sodass die Anwohner kreativ geworden sind und sich so genannte Brujitas gebastelt haben. Was das ist und was es sonst noch in San Cipriano zu erleben gibt, lest Ihr im folgenden Artikel.

Reisezeitraum: August 2016 / 24 Stunden
Geschrieben: September 2016
Veröffentlicht: September 2016

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Überblick Reisebericht San Cipriano

  1. Lage und Anreise
  2. Die Fahrt mit den Brujitas
  3. Das Leben in San Cipriano
  4. Rivertubing auf dem San Cipriano
  5. Weiterreise

Lage und Anreise

San Cipriano befindet sich im Westen von Kolumbien nahe der Hafenstadt Buenaventura. Nächster Ort zu San Cipriano ist Cordoba, welches sich direkt an der Hauptverkehrsstraße von Buenaventura nach Calí und Armenia befindet. Beide letzt genannten Städte sind auch mit dem Bus in 3 bzw. 6 Stunden zu erreichen, ebenso wie Buga (3 Stunden). Allerdings muss man bedenken, dass kolumbianische Busse nur selten anhalten, um Personen von der Straße mitzunehmen. Auch Trampen ist an dieser zu 80% durch Trucks befahrenen Straße nicht ganz einfach, da das Tempo hoch ist und zudem in diesem Teil von Kolumbien die Bereitschaft nicht allzu ausgeprägt ist, Tramper mitzunehmen.

Die von vielen Trucks befahrene Straße zwischen Lobo Guerrero und Buenaventura

Während wir also auf dem Hinweg gemütlich den Bus ab Calí nehmen und direkt in Cordoba aussteigen konnten, waren unsere Versuche, jedwelche Langstreckenbusse anzuhalten, erfolglos, sodass wir die Ochsentour nach Buga mit Umstiegen in El Credo und Lobo Guerrero nehmen mussten.
Wer also aus San Cipriano abreist, sollte überlegen, nach Buenaventura zurückzufahren und dort in einen Bus nach Calí, Buga oder Armenia/Pereira zu steigen.

Vor dem Weg nach San Cipriano überlegte ich zudem, ob es sinnvoll sei, ein wenig Verpflegung mitzunehmen, da in solch abgelegenen Orten das Preisniveau meist deutlich höher ist. Dies war jedoch in San Cipriano nicht der Fall (zumindest nicht übermäßig), sodass man nicht unnötig Balast mitschleppen muss.

Die Fahrt mit den Brujitas

Die spannendste und einzigartige Sache an San Cipriano ist sicher die Anreise direkt ins Dorf. Der Ort besitzt keinen Straßenzugang und ist daher nur über die Schiene erreichbar. Doch Züge fahren hier keine mehr, sodass die Einwohner kreativ werden mussten. Während anfangs manuelle „Holzbretter auf Rädern“ eingesetzt wurden, kam anschließend die Idee auf, den Antrieb Motorrädern zu überlassen. Also wurde das Vorderrad auf dem Brett fixiert und das Hinterrad an die Schienen justiert und voíla, fertig waren die so genannten Brujitas.

Die Brujitas, ein Motorrad auf Schienen, sind die einzige Fortbewegungsmethode, um nach San Cipriano zu gelangen.

Die Brujitas, ein Motorrad auf Schienen, sind die einzige Fortbewegungsmethode, um nach San Cipriano zu gelangen.

Diese sind nun das „offizielle“ Transportmittel von Cordoba nach San Cipriano. Für die rund 6 Kilometer lange Strecke sollte man je nach Gegenverkehr rund 15-20 Minuten einplanen. Denn wenn gleichzeitig andere Brujitas entgegenkommen, muss abgestoppt und umgesetzt werden – eine spannende Beobachtung.

Die Brujitas, ein Motorrad auf Schienen, sind die einzige Fortbewegungsmethode, um nach San Cipriano zu gelangen.

Die Preise können je nach Tag unterschiedlich sein. Während es in der Woche scheinbar eine Art Transport-Organisation gibt, die Tickets vergibt und 6000 COP (ca. 2 Euro) pro Person one-way von Touristen verlangt, müssen an Wochentagen scheinbar die Preise selbst verhandelt werden. Während im Internet oft von 5000 COP pro Person zu lesen ist, durften wir mit einem Einstiegspreis von 15000 COP zu Recht kommen. Immerhin konnte ich dies auf 7500 COP herunter handeln. Generell drückt es den Preis, wenn man als Gruppe reist oder sich anderen Brujita-Passagieren anschließt – gerne auch Einheimischen, die logischerweise ebenfalls die Brujitas benutzen.

Auf dem Weg von Cordoba nach San Cipriano

Auf dem Weg von Cordoba nach San Cipriano

Das Leben in San Cipriano

Doch die Brujitas sind nicht die einzige Attraktion von San Cipriano, denn der Ort hat einiges zu bieten und lohnt mehr als einen Tagesausflug. Schon allein das Flair dieses Ortes am Ende der Welt hat seinen ganz eigenen Charme. Einen Haupt-Dorfweg (Straße mag man es nicht nennen), ein paar Bretterbuden inkl. Restaurants und Gästezimmern (auch hier möchte ich nicht das Wort Hotel in den Mund nehmen) sowie ein paar spielende Kinder – das wars.

Das kleine Dörfchen San Cipriano im Westen von Kolumbien

Das kleine Dörfchen San Cipriano im Westen von Kolumbien

Größte Attraktion in und um San Cipriano ist der gleichnamige Fluss, der sich idyllisch durch die sattgrüne Natur schlängelt. Wer mag, kann hier entspannen und einen kleinen Snack oder ein kühles Bier genießen.

Das kleine Dörfchen San Cipriano im Westen von Kolumbien

Wer ein Hotel sucht, kann einfach die einzige Straße des Dorfes auf und ab gehen und sich seinen Favoriten heraussuchen. Aber Vorsicht, dass Niveau in San Cipriano ist extrem einfach, dafür aber auch sehr günstig. Die einzig beiden im Internet in Reiseberichten von anderen genannten Unterkünfte waren das Hotel David sowie das Hotel Tia. Wir entschieden uns für Zweiteres und waren soweit zufrieden, wie ihr auch im Unterkunftsartikel über Kolumbien nachlesen könnt.

Das Hostel Tia in San Cipriano im Westen von Kolumbien

Essenstechnisch überraschte uns San Cipriano trotz seiner abgelegenen Lage sogar. Am Abend fanden wir am Ende des Dorfes ein leckeres und sättigendes Tamal, eine Art Kochbananenbrei mit Hähnchenfüllung, alles eingewickelt in Bananen-Blätter. Es ähnelte dem in der Dominikanischen Republik berühmten Pasteles en Hoja, war jedoch noch einmal um einiges leckerer.

Tamal, eine kolumbianische Spezialität

Auch am Mittag aßen wie eines der leckersten Gerichte unserer Kolumbien-Reise. In „unserem“ Hotel Tia wurde ein zarter Fisch mit einer extrem leckeren „gelben Sauce“ serviert. Sehr einfach, sehr günstig (komplettes Essen inkl. Getränk 10000 COP, ca. 3 Euro), aber definitiv ein kulinarisches Highlight.

Leckerer Fisch in San Cipriano

Rivertubing auf dem San Cipriano

Doch die größte Attraktion in San Cipriano wartet wiederum am Fluss. Wer sich im Dorf für 5000 COP (weniger als 2 Euro) einen großen Reifen schnappt und den einfach zu findenden Waldweg rund 30-45 Minuten läuft, kann sich anschließend mit dem Reifen in den Fluss setzen und mehr als eine Stunde nach unten treiben, River-Tubing in Self-Made-Manier quasi. Das besonderes hierbei ist die Ausgeglichenheit des San Cipriano, denn das Wasser ist fast gleichbleibend schnell und wird nur durch einige kleine Stromschnellen unterbrochen, die das Salz in der Suppe sind und der Abfahrt ab und an ein wenig Pep und Action verleihen. Die Tour ist für Jedermann machbar und in dieser Länge fast einzigartig, denn je nach Tempo sieht man 1,5 Stunden nichts anderes als grüne Natur, den seichten Fluss und kleine Stromschnellen. Da ich keine wasserdichte Kamera habe gibt es hiervon keine Fotos. Lasst Euch also einfach überraschen und nehmt dieses Highlight unbedingt mit.

River Tubing, die Nr. 1 Aktivität in San Cipriano

Wer sich alleine nicht traut kann übrigens auch Guides buchen oder sich einer der Gruppen anschließen.

Die Wege entlang des Flusses verraten auch schon, dass es hier in unberührter Natur noch viel zu entdecken gibt. Wer mit GPS, Wanderlust und viel Zeit losgeht, kann in dieser dank häufigem Regen zutiefst tropischen Vegetation sicher viele spannende Stunden verbringen. Da es uns zumindest an der Zeit fehlte, bleiben diese Entdeckungen ebenfalls Euch vorbehalten.

Weiterreise und Fazit

Wir mussten nämlich aufgrund unserer insgesamt sehr kurzen Kolumbien-Tour am nächsten Tag gleich weiter. Dennoch reichte der kurze Aufenthalt, um San Cipriano absolut positiv in Erinnerung zu behalten. Davon konnte uns auch die oben beschriebene etwas beschwerliche Rückreise nicht abhalten, was nicht an den einzigartigen Brujitas lag, die uns auch auf dem Rückweg wieder viel Spaß und aufgrund der Geschwindigkeit auch ein wenig Adrenalin bereiteten. Somit konnten wir um eine spannende Erfahrung reicher unsere Weiterreise in Richtung Buga und Salento beginnen.

Was war Euer bisher abgelegenster Ort, den Ihr besucht habt? Und ward Ihr bereits mit ähnlich kuriosen Verkehrsmitteln wie den Brujitas unterwegs? Lasst mir einen Kommentar mit Euren Erfahrungen dar.

Wem dieser Reisebericht gefallen hat und zukünftig keine der Hotelbewertungen, Reisetipps und Tripreports verpassen möchte, liked am besten direkt hier den Facebook-Kanal (~) von My Travelworld – immer mit den neuesten Informationen über alle Reisen.

About Chris

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich mehr als 60 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Seit Juli 2015 wohne ich nun - die Karibik hat es mir sehr angetan - in der Dominikanischen Republik und werde neben der Arbeit das Land abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkunden. Für Fragen und Feedback freue ich mich über jeden Kommentar. Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite. Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen: 1. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben >>> 2. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat >>> 3. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps


6 Responses to Reisebericht San Cipriano

  1. Sarah

    Hi Chris! Juhu, endlich mal ein schöner Bericht über San Cipriano, sehr cool! Es ist echt eine andere Welt dort – wir sind auch bestimmt den gleichen Leuten begegnet ;-)

    Ich war selbst vor zwei Jahren dort und hab auch ein paar Zeilen dazu geschrieben. Anhand deiner Fotos sehe ich, dass die Häuser schon weitergebaut wurden.

    https://sarahkolumna.wordpress.com/2016/09/17/auf-dem-hexenbesen-durch-den-kolumbianischen-dschungel/

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Chris (My Travelworld)

      Hallo Sarah,
      ja, da in San Cipriano begegnet man sicher fast den selben Leuten. Ist aber schon ein cooles Dorf.
      Interessant übrigens, dass Euer „Hotel“zimmer fast genau so aussah wie unseres, obwohl ihr scheinbar in einem anderen ward.
      LG, Chris

  2. Lou Vetten

    Hi, wir wollten morgen nach San Cipriano und dort eine Nacht schlafen.
    Ist es möglich am nächsten Tag von dort nach Salento zu reisen oder muss man zuerst nach Calí zurück?

    • Chris (My Travelworld)

      Hallo Lou,

      ja, theoretisch sollte es möglich sein, von San Cipriano nach Salento in einem Tag zu reisen – ihr solltet dann aber schon recht zeitig los. Von San Cipriano fahrt ihr vor bis an die Hauptstraße, wo Ihr ein Stück zurück bis nach Buenaventura fahrt. Dort nehmt Ihr einen Bus bis nach Buga und von dort weiter nach Salento.

      Viel Spaß in Kolumbien.
      LG, Chris

  3. ALBERTO CASTELLANOS

    sorry I can’t write in German (I can read it ). Very entertaining your trip to San Cipriano, it seems U like it.You ate a true traveler.
    Alberto
    Orlando Fl

    • Chris (My Travelworld)

      Hey Alberto,

      thanks for your comment. Indeed, San Cipriano was a super cool adventure, I really loved it.

      Cheers to Florida, I have a blog post about Orlando here on My Travelworld as well, have been there a couple of years ago. :-)

      Chris

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