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Abenteuer Grenzüberquerung – von Puerto Busch nach Bahia Negra

Es dürfte die abenteuerlichste Grenzüberquerung meiner Weltreise gewesen sein. Mein Weg von Bolivien nach Paraguay war eine spannende Kombination aus Passkontrolle in Eigeninitiative, einer 130km langen Straße in die abgelegenste Ecke des Landes nach Puerto Busch, einer Bootsfahrt bei Nacht über den Rio Paraguay und einer Übernachtung am Rande der Legalität in Brasilien. Am Ende verpasste ich dann aber mein eigentliches Ziel in Bahia Negra …

Reisezeitraum: März 2015
Geschrieben: April 2015
Veröffentlicht: Juli 2015

>> Der Weg nach Puerto Busch im Reisebericht Bolivien I
>> Die Erlösung: mein Flug von Bahia Negra nach Concepcion
>> Meine genutzten Unterkünfte in Paraguay
>> Zum kompletten Reisebericht über Paraguay

Vorgeschichte

Die meisten werden sich jetzt fragen, warum ich überhaupt solche Experimente inmitten von Südamerika veranstalte. Die Antwort ist relativ einfach, bedarf aber einiger Sätze.

Im Norden von Paraguay, genauer gesagt auf dem Rio Paraguay, gibt es ein Flussschiff namens Aquidaban. Dieses Cargo-Boot fährt einmal wöchentlich die Strecke von Concepcion, die größte Stadt´westlich des Rio Paraguay, nach Bahia Negra, dem letzten Dorf vor der Grenze zu Bolivien – und auch wieder zurück. Genau mit diesem Boot wollte ich fahren, um 2 Tage lang den Rio Paraguay und dessen absolut unberührte Natur zu genießen. Während die Strecke Concepcion – Bahia Negra, die durchaus ein dutzend Touristen wöchentlich benutzen, aufgrund meiner Reiseroute von Norden kommend nicht in Frage kam, wollte ich die Gegenrichtung angehen – mit dem kleinen Hindernis, das dies bisher von Bolivien aus absolut noch keiner gemacht hat (oder zumindest davon nicht im Internet berichtet hat). Entsprechend war mir nicht einmal die Abfahrtszeit der Aquidaban bekannt. Irgendwann am Freitag sollte es sein – und die einzige, allerdings ziemliche lose Information im Netz sagte einen Start um 20:00 Voraus.

Zu meinem Vorhaben gesellten sich noch zwei kleine Probleme. Als ich den Plan fasste, war bereits Mittwoch. Jedoch befand ich mich noch im mehr als 1.000 Kilometer entfernten Trinidad in Nord-/Zentral-Bolivien. Zudem war es keine Option, eine Woche länger zu warten, denn ich reiste genau vor der Osterwoche. Weihnachten und Ostern sind die einzigen beiden Termine, an denen die Aquidaban nicht fährt. Dies hieß im Klartext, dass das Boot in genau zwei Tagen ablegen würde – und danach erst wieder zwei Wochen später.

Grenzformalitäten in Bolivien

Also schwang ich mich aus Trinidad in einen Nachtbus nach Santa Cruz, der zweitgrößten Metropolregion in Bolivien nach La Paz. Besonders viel zu sehen gab es hier nicht, sodass es direkt mit dem nächsten Nachtbus weiter nach Puerto Quijarro ging – der bolivianischen Grenzstadt.

My Travelworld Info-Box
Nachtbus-Fahrten in Bolivien und Südamerika generell sind relativ bequem und aufgrund der meistens (nicht immer!) komfortablen Busse und der eingesparten Reisezeit sehr zu empfehlen. Mehr dazu in einem Artikel über das Busfahren in Südamerika.

Meine geplante Reiseroute hatte schließlich noch eine kleine, aber wichtige Besonderheit. Die Grenze von Puerto Busch und Bahia Negra ist eine „grüne Grenze“, sprich hier gibt es keinerlei Grenzkontrollen oder Einreiseprozeduren.
Dies heißt aber auch, dass man sich um seine Stempel im Pass selbst kümmern muss. Aus diesem Grund stellte ich mich an der langen Schlange (3 Stunden) in Puerto Quijarro an und holte mir meinen Ausreisevermerk aus Bolivien ab. Dass ich anschließend wieder nach Bolivien für den Weg nach Puerto Busch zurückkehrte, wollte die Beamtin nicht wirklich verstehen und schickte mich ziemlich direkt nach Brasilien. Bei einem Polizisten an der zugehörigen Station holte ich mir aber das (mündliche und sicher nicht wirklich wertvolle) Ok ab, trotz Ausreisestempel wieder nach Bolivien zurückkehren zu dürfen, schließlich wolle ich später an einem anderen Ort die Grenze überqueren. Dennoch sollten sich alle Nachahmer bewusst sein, dass ein Restrisiko vorhanden ist. Geratet Ihr in eine Polizeikontrolle und wollen die Beamten Euren Plan partout nicht nachvollziehen, kann es unter Umständen Probleme geben.

Durch das Pantanal nach Puerto Busch

Doch no risk, no fun – und so machte ich mich auf den Weg in Richtung „grüne Grenze“. Puerto Busch ist rund 150 Kilometer von Puerto Quijarro entfernt und nur über eine so gut wie gar nicht befahrene Straße mit dem Rest von Bolivien verbunden. Genau an dieser Straße wollte ich nun also einen Mitfahrgelegenheit finden. Innerlich schloss ich bereits mit meinem Plan ab, Bahia Negra und die Aquidaban zu erreichen, denn die Grenzprozedur in Puerto Quijarro hatte mich bereits 3 Stunden gekostet – 3 Stunden, die ich eigentlich nicht eingeplant hatte. Doch ich wollte meinen Abenteuer-Plan nicht gleich zu Beginn begraben, sondern wenigstens in Würde scheitern. Überraschenderweise hatte ich dann unglaubliches Glück, als nach 10 Minuten Warten das wohl einzige an diesem Tag nach Puerto Busch fahrende Auto anhielt und mich mitnahm.

Meine Mitfahrtgelegenheit auf dem Weg von Puerto Suarez nach Puerto Busch

Die Fahrt nach Puerto Busch war schließlich ein einziges landschaftliches Highlight. Sie führte uns – mich und drei bolivianische Arbeiter, die Trinkwasser und ein paar Arbeitsutensilien nach Puerto Busch brachten – durch den zu Bolivien gehörenden Teil des Pantanals. Die Region ist bekannt für Ihre reichhaltigen Tier- und insbesondere Vogelvorkommen. Und tatsächlich, wir konnten so viele Krokodile und Vogelschwärme und anderes beobachten wie selten zuvor.

Das Pantanal von Bolivien

Puerto Busch – das Ende von Bolivien

Nach rund 4 Stunden Fahrt über Schotter-, Schlamm- und Steinpiste kamen wir schließlich in Puerto Busch an. Wo ich zumindest ein kleines Dorf vermutete, stand genau – richtig – 1 Haus.

Puerto Busch, das wohl kleinste Dorf von Bolivien

Beim Anblick dessen war ich logischerweise umso glücklicher, diese Mitfahrgelegenheit gefunden zu haben. Manchmal fährt tagelang kein Fahrzeug von oder nach Puerto Busch.

Puerto Busch, wohl das Ende von Bolivien

Hier galt es nun, einen Bootstransport nach Bahia Negra in Paraguay zu finden – rund 30 Kilometer flussabwärts, um vielleicht doch noch die Aquidaban zu erreichen. Allerdings sickerte langsam zu mir durch, dass die Abfahrtszeit nicht um 20:00, sondern um 14:00 sein sollte – was bereits verstrichen war.

Nachdem der in dem genau einen Haus ansässige Captain 100 US$ für den Transport haben wollte (Bootstransfers hier sind generell teuer und nur schwer zu bekommen), wartete ich auf ein angeblich ankommendes Fischerboot, was anschließend wieder den Rio Paraguay herunterfahren wollte. Das Problem: ich vermochte meine letzte Chance auf die Aquidaban verspielen, denn das Fischerboot war Ewigkeiten nicht in Sicht, obwohl es mir immer wieder für „in 10 Minuten“ versprochen wurde. Doch ab und an muss auch ein Weltreisender sich auf sein Bauchgefühl verlassen und dies sagte mir, dass die Aquidaban in der Tat schon am Nachmittag abgefahren war – und damit hätte ich alle Zeit der Welt gehabt hat.

Eine Nacht in Brasilien

Aus diesem Grund willigte ich schließlich auch ein, als mich der Fischer nicht direkt nach Bahia Negra bringen wollte, sondern mir die Übernachtung auf seiner Farm am gegenüber liegenden Flussufer in Brasilien anbot und die Weiterfahrt erst am nächsten Morgen – insgesamt für 50 US$. Wenn schon Abenteuer, dann richtig!
Also ging es bei mittlerweile nächtlicher Dunkelheit rund eine halbe Stunde über den Rio Paraguay, bis wir schließlich irgendwo im Nirgendwo auf der brasilianischen Seite des Flusses anlegten. Elektrizität gab es natürlich keine, sodass meine Stirnlampe gute Dienste tat und ich erst am nächsten Morgen ein Lichtblick von Brasilien sowie der Farm wahrnehmen konnte.

Meine Farm am Rio Paraguay auf der Uferseite Brasiliens

Immerhin: der Hof war soweit von der nächsten Zivilisation entfernt, dass ich keinerlei Kontrollmaßnahmen fürchten musste – immerhin befand ich mich nun auch nicht ganz rechtmäßig (sprich ohne offizielle Einreise; oder mit anderen Worten illegal) auf brasilianischem Boden.

Doch es sollte ja am nächsten Morgen direkt weitergehen – und das tat es auch. Bereits um 06:30 wurde der Motor angeworfen und um 07:00 konnte ich endlich paraguayisches Land betreten.

Bahia Negra – Gefangen in absoluter Tristesse

Bahia Negra, eines der nördlichsten Dörfer in Paraguay, hieß mich nun also willkommen. Immerhin, der erste Eindruck war ganz ok, wenngleich schon ziemlich ruhig.

Das Willkommensschild zu Paraguay in Bahia Negra am Rio Paraguay

Von der Aquidaban war natürlich keine Spur mehr. Doch meine Vermutung von einigen Stunden zuvor war richtig: das Cargo-Boot legte bereits am Nachmittag ab – ich hätte also selbst mit dem 100 US$-Transport keine Chance gehabt, dieses zu erreichen.

Nun ja, es gibt Schlimmeres, als einen völlig unentdeckten Ort im Norden von Paraguay zu durchstreifen. Doch schnell stellte ich fest – auch nach einigen Gesprächen mit den Einheimischen – dass es hier absolut nichts zu machen gibt. Also wollte ich so schnell wie möglich weiterreisen – schließlich war es noch früh am Morgen.

Da das nächste Flugzeug erst in zwei Tagen, das nächste Boot in 13 Tagen und der nächste Bus in einigen Wochen fuhr, war die Option schnell klar: Trampen! Immerhin führten zwei Straßen nach Bahia Negra. Genau an diese Kreuzung rund 2 Kilometer außerhalb des Ortes setzte ich mich schließlich und wartete …

Erfolgloses Trampen - aus Bahia Negra gibt es auf dem Landweg kein Entkommen

… und wartete, und wartete! In rund 5 Stunden kamen lediglich zwei Autos vorbei, die zur rund 1 Kilometer entfernten Deponie wollten – doch keines ins nächste Dorf Toro Pampa, welches mal satte 60 bis 80 Kilometer entfernt war. Wie ich später in mehreren Gesprächen erfuhr, wird die Straße auch nicht befahren – sie ist nach ein paar Tropfen Regen schlichtweg unbenutzbar.

My Travelworld Info-Box
Für alle Individualreisenden und Hitchhiker: es ist in der Regenzeit schlichtweg unmöglich, Bahia Negra auf dem Landweg zu verlassen. Die beiden Straßen sind in dieser Zeit unbenutzbar und auch der Bus verkehrt in diesen Monaten nicht.

Dies versetzte meinen Ambitionen, Bahia Negra schnellstmöglich zu verlassen, natürlich einen herben Dämpfer.
Also ging es zurück ins Dorf – weitere Optionen ausloten. Immerhin fließt der Rio Paraguay neben Bahia Negra. Irgendeinen Wassertransport sollte doch möglich sein. Doch auch hier musste ich schnell lernen, dass da nur der Wunsch Vater des Gedanken war. Kein Fischer, kein Cargo-Boot und kein anderes schwimmendes Etwas sollte sich nach ebenfalls wieder mehreren übereinstimmenden Aussagen auf den Weg ins rund 80 Kilometer entfernte Fuerto Olimpo machen. Ein Boot zu chartern, wäre mit mehreren hundert US-Dollar schlichtweg unverhältnismäßig teuer gewesen.

Der Rio Paraguay in Bahia Negra

Die Optionen lichteten sich also – und ich war tatsächlich kurzzeitig ein wenig deprimiert. Sollte ich mich nach so vielen Reisen tatsächlich in eine nahezu unumgehbare Sackgasse manövriert haben? Zumindest schien es so, zumal die Flüge nach ebenfalls mehreren übereinstimmenden Aussagen nur bei gutem Wetter operieren. Sobald Regen fällt, ist die Graspiste ebenfalls unbenutzbar.

Gerade letzterer Fakt schlug mir schon ein wenig auf das Gemüt. Doch letztendlich blieb mir keine andere Wahl als ein Flugticket für in 2 Tagen zu kaufen (immerhin für sehr erschwingliche 200.000 Guarani, was rund 39 € entspricht) und zu hoffen – zu hoffen auf den lieben Wettergott, zu hoffen auf den Reisegott, der mir dieses eigentlich so ziemlich spannende Abenteuer und Erlebnis mit der schnellen Mitfahrgelegenheit nach Puerto Busch erst ermöglicht hat.

In der Zwischenzeit machte ich es mir so gut wie möglich in Bahia Negra bequem, auch wenn das in einem der abgelegensten und langweiligsten Dörfer dieser Welt ziemlich schwer war. Immerhin: ich hatte ziemlich viel Zeit, ausreichend Blogartikel und Reiseberichte für My Travelworld zu schreiben. Wenn es sonst nichts in Bahia Negra gab, aber Strom war in meiner Unterkunft zumindest vorhanden. Zudem hatte ich noch ausreichend Snacks und Essen im Rucksack, die mir über das sehr magere (und teure) Angebot in Bahia Negra hinweg halfen. Und schließlich versuchte ich, die Umgebung ein wenig zu erkunden. Auch wenn dies in solch einem kleinen Dorf mit einem Umkreis von hundert Kilometer Nichts nicht ganz einfach ist.

Tristesse in Bahia Negra - nichts zu tun in Paraguay

Tristesse in Bahia Negra - nichts zu tun in Paraguay

Tristesse in Bahia Negra - nichts zu tun in Paraguay

My Travelworld Tipp
In Bahia Negra gibt es keinen Geldautomaten, nur eine Hand voll sehr kleine Supermärkte und ein kleines Restaurant. Immerhin gibt es Strom und mit einer SIM-Card aus Paraguay auch langsames Internet. Seit einem Jahr ist auch ein Migrationsbüro im Ort vorhanden. Ihr könnt Euch also von Montag bis Freitag Euren Ein- der Ausreisestempel in Bahia Negra abholen und müsst dies nicht in Concepcion machen.

2 Tage nach meiner Ankunft war schließlich der Tag der Wahrheit gekommen – und beim Blick nach draußen nach dem Aufstehen war ich schon ein wenig froh.

Tristesse in Bahia Negra - nichts zu tun in Paraguay

Das Wetter war traumhaft und viel besser als die Tage zuvor. Frohen und erleichternden Schrittes ging es in Richtung Flughafen. Mit einer Parkbank als Check-In- und Wartebereich sowie einer Graspiste als Rollbahn sicher der ungewöhnlichste Flughafen, den ich je gesehen habe – aber irgendwie typisch für einen Ort wie Bahia Negra.

Der Flughafen von Bahia Negra ganz im Norden von Paraguay

Fazit

Mit dem Starten der Propeller ging also für mich ein sehr ereignisreiches Abenteuer zu Ende. Zum Flug selbst könnt Ihr meinen separaten Flugbericht SETAM lesen.
Trotz der doch recht langweiligen Zeit in Bahia Negra war es insgesamt ein toller Trip, den ich nicht missen möchte. Trampen mit dem einzigen Auto des Tages, Grenzüberquerung mit einem Fischerboot, Übernachten auf einer brasilianischen Farm und das quasi Gefangensein in einem Ort im Nirgendwo sind Ereignisse, die sich so in keinem Reiseführer finden lassen und noch lange als nette Geschichte bei einem gemütlichen Bierchen dienen werden. Von daher bin ich froh, dass ich das ungewisse Abenteuer eingegangen bin, welches mir statt der leider verpassten Alquidaban so viele andere und erinnernswerte Highlights gebracht hat.

Seid Ihr schon einmal über eine grüne Grenze gereist? Erzählt mir von Euren „Grenz-Erfahrungen“ in den Kommentaren.

Wem dieser Artikel gefallen hat und zukünftig keine der Hotelbewertungen, Reiseeindrücke und Erfahrungsberichte verpassen möchte, liked am besten direkt hier den Facebook-Kanal (~) von My Travelworld – immer mit den neuesten Informationen über alle Reisen.

About Chris

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich mehr als 60 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Seit Juli 2015 wohne ich nun - die Karibik hat es mir sehr angetan - in der Dominikanischen Republik und werde neben der Arbeit das Land abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkunden. Für Fragen und Feedback freue ich mich über jeden Kommentar. Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite. Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen: 1. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben >>> 2. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat >>> 3. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps


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