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Reisebericht Timor-Leste

Reisebericht Timor-Leste: Südostasiens jüngstes Land mit Abenteuer-Charakter und Erlebnis-Garantie

War es DAS Abenteuer meiner Südostasien-Reise? Gewiss, einzelne Highlights stechen in jedem Land hervor, doch als Ganzes war Timor-Leste (ehemals Osttimor) definitiv ein Kapitel für sich. Selten konnte ich innerhalb von 10 Tagen so tief in ein Land blicken, selten waren die Eindrücke so bleibend und einzigartig. Was es in Timor-Leste zu erleben gab, lest ihr im folgenden Reisebericht – und zugleich auch, was in 20 bis 30 Jahren vielleicht nicht mehr so sein wird.

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Reisezeitraum: Oktober 2014 / Dauer: 11 Tage
Geschrieben: Dezember 2014
Veröffentlicht: Januar 2015

Überblick Reisebericht Timor-Leste

  1. Anreise nach Timor-Leste
  2. Visum für Timor-Leste
  3. Dili – Timors Hauptstadt zwischen Vergangenheit und Moderne
  4. Das Hinterland von Timor-Leste – Abenteuer pur
  5. Mount Ramelau – Timors höchster und heiligster Berg
  6. Nunurlau und Aimeta – Leben wie im Mittelalter
  7. Same und Betano – die Südküste fernab von allem
  8. Atauro Island – Inselparadies vor Dilis Küste
  9. Exkurs: Essen und Trinken in Timor-Leste
  10. Exkurs: das Preisniveau in Timor-Leste
  11. Exkurs: Internet in Timor
  12. Fazit

Anreise nach Timor-Leste

Mit Ausnahme einiger Inselstaaten dieser Welt ist es selten, dass zu einem Land die Einreisemöglichkeiten so schnell erzählt sind wie zu Timor-Leste. Wer fliegen möchte, kann ausschließlich über den internationalen Flughafen in Dili einreisen. Verbindungen gibt es derzeit lediglich nach Denpasar (Bali), Singapur und Darwin in Australien. Die günstigste Option stellt dabei Garuda Indonesia oder Sriwijaya Air dar, die beide mit Preisen von knapp unter 100 € one-way von Timor nach Bali fliegen, was zugleich auch meine Form der Ausreise war.

Ein Flugzeug der Driwijaya Air am Flughafen von Jakarta

Internationale Fähren nach Timor-Leste gibt es keine, denn die einzige Verbindung nach Kupang, die ab und an noch im Internet oder in Reiseführeren referenziert wird, wurde schon seit einiger Zeit eingestellt.

Bleibt also noch der Landweg, denn Timor-Leste hat eine gemeinsame Grenze mit seinen früheren Besatzern Indonesien. Für diese Variante entschied ich mich auf der Hinreise, wohlwissend, dass mich eine rund 12-stündige Busfahrt vom westtimoresischen Kupang (mehrere Anbieter, Fahrten starten täglich zwischen 04:00 und 06:00 am Morgen) erwartete. Neben der 7-stündigen Dauerschleife indonesischer Volksmusik (die CD dauert lediglich 45 Minuten, Ihr könnt Euch also ausrechnen, wie oft ich mir dieses Gedudel anhören durfte) war es bei dieser Tour natürlich das Highlight, schließlich die indonesisch-timoresische Grenze zu überschreiten und endlich im drittjüngsten Land der Erde angekommen zu sein.

My Travelworld Info-Box

Die Busfahrten von Kupang in Indonesien nach Dili starten täglich früh am Morgen, gegen 04:00 bis 06:00. Es gibt mehrere Anbieter, der Preis beträgt in der Regel 200.000 IDR, was ca. 13 € entspricht. Gebucht werden kann das Busticket entweder in verschiedenen Reisebüros in Kupang oder über Eure Unterkunft, zum Beispiel das Lavalon Hostel in Kupang.

Der Grenzübergang von Indonesien nach Timor-Leste in Batugade

Erwartet übrigens während der 12 Stunden Busfahrt nicht allzu viel Schlaf. Die Tiefe der Schlaglöcher und Zustand der Straße ließ bereits im indonesischen Teil der Reise einen Vorgeschmack auf die kommenden 11 Tage aufkommen. Selbst Reisebericht schreiben war unmöglich, da es auf den üblen Pisten mir direkt den Laptop aus dem Schoß geschmissen hat.

Visum für Timor-Leste

Um die Grenze passieren zu können, ist aber ein klein wenig Vorbereitung notwendig. Wer nämlich über den Landweg einreist, benötigt vorab eine Visa-Authorisierung, die bei der timoresischen Botschaft in Kupang (u.a. auch möglich in Denpasar oder Kuala Lumpur) einzuholen ist. Dies dauert in der Regel zwei bis drei Tage, hat aber in meinem Fall mit etwas nettem Fragen direkt innerhalb eines Tages geklappt. Die Anforderungen entsprechen im Großen und Ganzen denen eines einfachen Visums und können hier bei der timoresischen Immigrationsbehörde (~) nachgelesen werden.
Mit dieser Visa-Authorisierung bekommt Ihr dann schließlich am Grenzübergang in Batugade gegen Zahlung von 30 US$ Euren (ganzseitigen) Stempel in den Pass.

Wer mit dem Flugzeug nach Timor-Leste kommt, muss sich über das Visum im Prinzip keine Gedanken machen, denn in Dili wird ein 30-tägiges Visa-on-Arrival – ebenfalls gegen Zahlung von 30 US$ – ausgestellt.

Dili – Timors Hauptstadt zwischen Vergangenheit und Moderne

Egal, welche Anreiseform Ihr wählt, Dili wird so gut wie immer Euer erster Anlaufpunkt in Timor-Leste werden. Auch wenn sie sicher keinen Schönheitspreis verdient – links liegen lassen solltet Ihr Osttimors Hauptstadt auf keinen Fall. Dafür hat sie zuviel Historie zu bieten, aber auch eine tolle landschaftliche Kulisse mit dem umliegenden Bergland sowie fantastischen Stränden – eine ausführliche Beschreibung dazu findet Ihr im Reisebericht Dili.

My Travelworld Info-Box: in Timor-Leste kostenlos mit der Kreditkarte Bargeld abheben
Schon seit Jahren nutze ich die DKB-Kreditkarte und kann damit weltweit kostenlos Bargeld abheben. Selbst in Timor-Leste funktionierte dies wieder reibungslos, sodass ich an den Geldautomaten im Land problemlos an die lokale Währung (US-Dollar) kam. Da es aber fast nur in der Hauptstadt Dili Geldautomaten gibt, empfiehlt es sich, sich dort ausreichend mit Bargeld einzudecken. Für Reisen empfehle ich Euch solch eine Kreditkarte unbedingt. Aus diesem Anlass habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben, in dem ich auf die Vor- und Nachteile einzelner Kreditkarten-Anbieter eingehe – auch auf die DKB-Visa-Card.

Um nur kurz die wichtigsten Punkte zu nennen: ein unbedingtes Muss in Timors Hauptstadt ist das Widerstandsmuseum (Resistance Museum). Es beschreibt in beeindruckender Weise die Zeit der Dekolonialisierung sowie der Besatzung durch Indonesien.

Das Widerstandmuseum in Dili, der Hauptstadt von Timor-Leste

Ebenfalls wert ist es, einen kurzen Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen. Sie präsentiert sich überraschend modern und bietet dank der Promenade ein maritimes Flair.

Die Promenada von Dili

Wer einen Aussichtspunkt sucht, sollte sich die Jesus-Statue südlich von Dili nicht entgehen lassen.

Die Jesus Statue Christo Rey, rund 6 Kilometer außerhalb von Timors Hauptstadt

Und last but not least kann Dili einen der schönsten Strände von Timor-Leste sein eigen nennen. Wer also genug vom Stadtleben hat, kann hier einfach die Seele baumeln lassen.

Der Strand Areia Brance in Dili in Osttimor

Das Hinterland von Timor-Leste – Abenteuer pur

Das richtige Timor-Leste erlebt Ihr aber erst außerhalb von Dili. Zugegeben, die Fortbewegung ist beschwerlich und mag den einen oder anderen vielleicht von einem Trip abhalten. Busse bzw. Trucks fahren mehr unregelmäßig denn nach einem Fahrplan und wenn sich ein Transport finden lässt, ist dieser unbequem und vollgepackt – entweder mit Menschen oder aber auch mit allen anderen Dingen, die von A nach B transportiert werden müssen.

Fahrt auf einem Angguna von Same nach Betano

Allerdings sind dadurch auch – neben der faszinierenden Landschaft – einzigartige Erlebnisse garantiert. In unserem Falle war dies die 5-stündige Fahrt von Same nach Dili (ca. 110 Kilometer) in einem Pick-Up. Zwar hatten wir hier ausreichend Platz und die Ladefläche für uns allein, doch die mit extremen Schlaglöchern gesähten Straßen (wenn es denn überhaupt eine Straße war) setzten unserem Sitzfleisch sowie dem Rücken und den Armen doch stark zu. Hinzu kommen die überwiegend staubigen Pisten, die unsere Haut und unsere Klamotten nach einigen Stunden in eine wunderbare grau-braune Schicht hüllten.

Eine der vielen Staubpisten in Timor-Leste - allerdings meist mit schönster Aussicht

Dennoch bleibt die Fahrt als absolutes Erlebnis im Gedächtnis haften – auch dank solcher Ausblicke während der Tour. Letztendlich ist genau dies das wahre Timor-Leste.

Ausblicke auf die Gebirgslandschaft von Osttimor während der Fahrt nach Same

Ebenfalls eines dieser Abenteuer im Hinterland von Osttimor war unser Aufenthalt in Dare. Für dieses Dorf zwischen Aituto und Ainaro, welches wohl noch nie westliche Touristen gesehen hat, war unser Besuch das absolute Highlight – und für uns ebenfalls. Die local kids waren völlig aus dem Häuschen und begleiteten uns gleich einmal zu einem Wasserfall.

Fröhliche Kinder am kleinen Wasserfall von Dare

Der Wasserfall von Dare

Spannend wurde es dann auch bei unserer so genannten Unterkunft. Wir schliefen bei einer timoresischen Familie (der Aufenthalt wurde uns vorher im Bergdorf von Hatubuilico organisiert) ohne Strom, ohne Wasser, ohne Internet – qausi ganz original „back to the roots“. Gekocht wurde über dem offenen Feuer und nach Einbruck der Dunkelheit gab es außer diesem kein Licht mehr. Mehr Erlebnis und zugleich Einblick in das timoresische Leben geht nicht!

Unser Homestay in Dare mitten im Nirgendwo von Timor-Leste

Auf unserem Weg durch Timor erlebten wir noch einige weitere solche Abenteuer, die den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen würden – den separaten Artikel über unsere Erlebnisse im Hinterland von Timor-Leste kann ich Euch aber nur sehr ans Herz legen.

Mount Ramelau – Timors höchster und heiligster Berg

Natürlich gab es auf unserer Tour aber auch noch die klassischen Reiseerlebnisse. Auch diese waren in Timor-Leste intensiver als in anderen Ländern und definitiv Gänsehaut fördernd. Einer dieser Momente war die Besteigung des Mount Ramelau, immerhin 2.963 Meter hoch und Osttimors höchster Berg. Zudem genießt er heiligen Status im Land, was sich auch an der Jesus-Statue auf dem Gipfel äußert.

Ausblick vom Mount Ramelau, dem höchsten Berg in Timor-Leste

Magisch war dann aber der Ausblick vom Mount Ramelau. Ganz Timor-Leste lag uns zu Füßen, denn die Sicht reicht an alle drei Küsten des Landes und bis hin nach Indonesien. Zudem waren wir die einzigen Besucher weit und breit (sprich für mehrere Stunden). Besser kann man Natur nicht genießen.

Ausblick vom Mount Ramelau, dem höchsten Berg in Timor-Leste

Die Wanderung selbst war verglichen mit anderen Touren relativ einfach und erfordert lediglich einen Anstieg von 1.000 Höhenmetern. Mehr zu dieser Tour findet Ihr auch im Wanderbericht über den Mount Ramelau.

Eine Kapelle auf 2.700 Metern auf dem Weg zum Mount Ramelau

Ausgangspunkt für diese Tour ist übrigens das Bergdorf Hatobuilico, welches lediglich über eine 18km lange Stichstraße zu erreichen ist. Öffentlichen Verkehr gibt es hier nicht, sodass die einzige Möglichkeit, den Ort zu erreichen, ein Taxi (oder alles, was sich als Taxi anbietet) ab Maubisse oder eben eine landschaftlich reizvolle 18km-Wanderung ist. Wofür wir uns als kostenbewusste Backpacker entschieden, muss ich Euch wohl nicht verraten, die Fotos sprechen aber Bände.

18km-Wanderung im unberührten Timor-Leste (Osttimor) nach Hatubuilico

Und auch Hatubuilico selbst reiht sich nahtlos ein in die Liste von einfach traumhaften timoresischen Momenten und Plätzen. Ein Bergdorf auf rund 1.900 Metern mit fast ausschließlich traditionellen Häusern, ohne befestigte Straße, mit Eseln und Kindern als Hauptlebensader, eingerahmt von bis zu knapp 3000 Meter hohen Gipfeln und nur zwischen 18:00 und 21:00 Uhr von Strom versorgt – so sieht die Bergidylle in Timor aus.

Blick auf das Bergdorf Hatubuilico in Timor-Leste

Mehr zu Hatubuilico auch in den Artikeln über die Wanderung zum Mount Ramelau, den Erlebnissen im Hinterland von Timor-Leste und meiner Unterkunftsübersicht für Osttimor.

Nunurlau und Aimeta – Leben wie im Mittelalter

Wer nun denkt, dass Hatubuilico mit seiner Abgeschiedenheit und Berglage schon einen Preis für besonders rückständige Entwicklung verdient hat, sollte sich einmal auf Wanderschaft in Richtung Nunurlau begeben – oder einfach hier weiterlesen.

Unser Weg von Hatubuilico nach Dare führte uns nämlich noch in Nunurlau vorbei – einem Bergdorf komplett fernab jeglicher (aus unserer Sicht) moderner Entwicklung. Die Ansiedlung auf stattlichen 2.500 Höhenmetern bestand aus rund einem dutzend traditionellen Häusern – in beeindruckender Naturbauweise aus Holz und Stroh. Nahezu selbstverständlich gibt es hier weder Strom- und Wasseranschluss und gegessen wird überwiegend nur, was die Natur hergibt.

Das traditionelle Dorf Nunurlau in der Nähe von Hatobuilico

Das traditionelle Dorf Nunurlau in der Nähe von Hatobuilico

Auch wenn man sich heute solch ein Leben kaum noch vorstellen kann – interessant ist die Vorstellung allemal. Leider konnten wir aufgrund der Sprachbarriere nicht mit den Einwohnern sprechen, unglücklich sahen sie allerdings nicht aus. Hinzu kommt übrigens noch die traumhafte Lage – oder wer hat nicht schon immer mal von solch einem Ausblick aus seinem Schlafzimmer geträumt, immer den heiligen Berg im Blick habend?

Ausblick vom traditionellen Dorf Nunurlau in der Nähe von Hatobuilico

Same und Betano – die Südküste fernab von allem

Vom Bergland rund um den Mount Ramelau begaben wir uns schließlich noch ein Stück weiter in Richtung Süden. Auch hier ging es wieder über staubigste Pisten mit nur rar gesähten Asphalt im Durchschnittstempo von 20km/h voran – dies sollte man übrigens generell als Reisegeschwindigkeit durch Timor-Leste ansetzen. Dennoch: die Ausblicke links und rechts lassen jede noch so harte Fahrt zur echten Panoramashow werden.

Ausblicke auf die Gebirgslandschaft von Osttimor während der Fahrt nach Same

Same selbst ist dem hingegen absolut keine Reise wert und lediglich als Übernachtungs-Zwischenstop empfehlenswert. Die Stadt hat außer einem lebhaften Markt kaum etwas zu bieten. Das schönste war noch die koloniale Villa der Pousada Same, auch wenn sie sich später als kleines Kakerlaken-Paradies herausstellte.

Die Pousada Same im gleichnamigen Ort im Süden von Timor

Richtig paradiesisch wurde es schließlich wieder in Betano – der Südküste von Timor-Leste und mittlerweile rund 150 Kilometer (also eine ganze Tagesreise) von Dili entfernt. Normalerweise verirren sich null Touristen hier her, was sicher auch der gleichen Anzahl an Unterkünften geschuldet ist. Umso idyllischer war schließlich der kilometerlange Strand, den ich komplett für mich alleine hatte.

Der einsame Strand von Betano an der Südküste von Timor

Ebenfalls ein echter Augenschmaus ist ein Spaziergang entlang der einzigen Straße Betanos landeinwärts. Wer die Wanderung zwischen Hatubuilico und Dare scheut, findet hier ebenfalls unzählige traditionelle Häuser, liebevoll gepflegt, mit allerlei Familienleben und wunderschönen Gärten.

Traditionelle Häuser in Betano in Timor-Lestes Süden

Traditionelle Häuser in Betano in Timor-Lestes Süden

Traditionelle Häuser in Betano in Timor-Lestes Süden

Traditionelle Häuser in Betano in Timor-Lestes Süden

Atauro Island – Inselparadies vor Dilis Küste

Neben soviel traditionellem Leben, unwegsamen Gelände und Reisen durch absolut untouristisches Terrain gibt es in Timor-Leste aber auch noch etwas zur Entspannung à la „Sonne, Strand und mehr“ beizutragen. Atauro Island ist eine Insel vor der Küste Dilis und besticht mit einer Mischung aus Gemütlichkeit, Einsamkeit und Natürlichkeit – beste Voraussetzungen also für das timoresische Paradies.

Atauro Island - Paradies und Insel-Idylle in Timor-Leste

Eigentlich gibt es genau zwei wesentliche Dinge über Atauro Island zu wissen. Zum Einen ist dies die Abfahrtszeit der Fähre, die die Insel von Dili aus immer samstags anläuft (Abfahrt Dili 08:00, Ankunft Atauro 11:00, Rückfahrt um 15:00; an anderen Tagen verkehren unregelmäßig Fischerboote), zum Anderen ist es Barry’s Place, der Unterkunft schlechthin auf Atauro Island. Rund ein dutzend Bungalows und Zelte schmiegen sich in dieser äußerst gepflegten Anlage an den schönen Strand des Hauptortes Beloj.

Barrys Place auf Atauro Island - definitiv eine Wohlfühl-Oase in Timor-Leste

Hinzu kommt ein erstklassiger Service sowie eine für timoresische Verhältnisse üppige Vollpension. Mehr zu Barry’s Place und auch zur Insel selbst findet Ihr im ausführlichen Artikel über Atauro Island.

Atauro Island - Paradies und Insel-Idylle in Timor-Leste

Exkurs: Essen und Trinken in Timor-Leste

Warum nicht nur die Lage und die Ausstattung, sondern auch das Essen in Barry’s Place eine besondere Erwähnung wert ist, zeigt sich beim Blick auf die Küche von Osttimor.
Während in der Hauptstadt Dili im günstigen Preissegment vor allem die indonesische Küche sowie im etwas höheren Preisbereich Restaurants mit westlichen Gerichten dominieren, flacht die Vielfalt außerhalb der Hauptstadt ganz schnell ab. In den zahlreichen Kleinstädten und Dörfern östlich, südlich und westlich von Dili kann man über einen klassischen Warung mit einfacher indonesischer Küche schon froh sein. In den Bergen rund um Hatubuilico und den Mt. Ramelau wurde schließlich klar, für was die timoresische Küche steht: mit so einfachen und preiswerten Mitteln wie möglich ein Essen zubereiten, was satt macht. Dabei wurde deutlich, dass für die klassische Speisenkombination aus Sättigungsbeilage, Gemüse und Fleisch/Fisch hier kein Platz ist. Letzteres ist einfach zu teuer, genauso wie gängige Gemüsesorten sowie Gewürze. Dies führte schließlich dazu, dass wir dreimal in Folge ein in Europa eher unübliches Dreierlei aus Sättigungsbeilagen serviert bekamen: Reis mit Nudeln mit Kartoffeln – mit Ausnahme der Nudeln zudem auch noch ungewürzt.

timor_leste_017_dare_homestay

Auch die Kombination aus Reis und fadem Wasserspinat war nicht gerade eine Gaumenfreude. Aber auch hier gilt: erlaubt ist, was satt macht. Wir waren jedenfalls dankbar, bekocht zu werden und so einen Einblick in diesen Teil des Lebens der Timoreser zu bekommen.

Für eine kulinarische Sache kann sich Timor-Leste aber dann doch noch rühmen: Kaffee. Es ist sicher müßig zu diskutieren, in welchem Land es den besten Kaffee der Welt gibt. Wenn allerdings in einem Land wie Timor der Kaffee als Attraktion gerühmt wird und zudem noch ein mitreisender Brasilianer (der seinen heimischen Kaffee liebt) die schwarzen Bohnen in höchsten Tönen lobt, dann muss wirklich etwas dran sein an der timoresischen Kaffeequalität. Als Nicht-Kaffeetrinker kann ich diesbezüglich leider nicht aus eigener Erfahrung berichten.

Exkurs: das Preisniveau in Timor-Leste

Immerhin, durch die Einfachheit bleibt das Essen auch relativ erschwinglich. Sowohl in Dili mit etwas kreativeren Variationen als auch die einfachen Gerichte im Hinterland kosten in der Regel zwischen 1 und 2 US$. Lokale Früchte wie Bananen gibt es ebenfalls für einen Dollar (in der Regel zwischen 12 bis 24 Stück), Preise für weitere Naturerzeugnisse steigen dann im eher unwirtschaftlichen Timor-Leste aber an. Eine Dose Bier kostet im Supermarkt 1.50 US$, eine Flasche Wasser in der Regel 0,50 US$. Dies liegt im Schnitt etwas über dem benachbarten Indonesien.

Unterkünfte sind im Schnitt ebenfalls etwas teurer als in Indonesien, aber auch hier hält sich das gesamte Preisgefüge im Rahmen. Während das East Timor Backpackers in Dili mit 12 US$ im Südostasien-Vergleich etwas überpreist war, fanden wir im Hinterland von Timor-Leste echte Schnäppchen. In Hatubuilico zahlten wir für ein Einzelzimmer inkl. Vollpension lediglich 15 US$, in einer anderen Herberge sogar nur 10 US$. Auch Same war mit 10 US$ pro Person sehr fair, genauso wie meine Lieblingsherberge Barry’s Place auf Atauro Island, in der wir im für Backpacker-Verhältnisse luxuriösen Beachfront-Zelt mit Vollpension für 27.50 US$ übernachteten.

Da ich mich in Timor-Leste dank meiner beiden Mitreisenden zum ersten Mal mittels trampen fortbewegte, kann ich leider zu den Transportkosten nicht allzu viel sagen. Ich nutzte hierbei lediglich ein Taxi innerhalb Dilis, die im Stadtzentrum generell 1 US$ kosten, ein Microlet in Dili (äußerst enger Minibus) für 0,25 US$, die Fähre nach Atauro Island für 4 US$ sowie ein Fischerboot zurück nach Dili für 10 US$.

Exkurs: Internet in Timor

Last but not least möchte ich als Reiseblogger auch kurz noch ein Wort zum Thema Internet verlieren – dieses war nämlich in Timor-Leste so gut wie nicht existent. Wenn es in einigen Dörfern außerhalb von Dili noch nicht einmal Strom gibt, ist natürlich an das WWW gar nicht zu denken. Gleiches gilt für Atauro Island. Auch in Dili ist eine gute Verbindung eher Mangelware. Das Netz im East Timor Backpackers war mehr zum Verzweifeln denn zum guten Surfen geeignet. Ein gutes öffentliches Wi-Fi soll es wohl im Park des 5. Mai, gegenüber des Hotel Timor, geben.

Wer also nach Timor-Leste reist, kann sich auf einige internetfreie Tage einstellen. Diese habe ich übrigens sehr genossen – 1 Woche mal komplett ohne Laptop und Verbindung zur Außenwelt kann auch so richtig befreiend sein.

Fazit

Ich hoffe, ein Fakt ist in diesem Reisebericht deutlich geworden: Timor-Leste ist noch ein echtes Reiseabenteuer. Die Infrastruktur ist schlichtweg schlecht, touristische Angebote sind Mangelware und andere Reisende sieht man eher selten bis gar nicht. Wer dann noch durch die Dörfer reist, wird mit begeisterten „Malai, Malai“-Rufen empfangen, die bei aller Gastfreundschaft nach einigen Tagen auch mal nerven können.

Timor-Leste ist daher nicht für jedermann geeignet. Wer einen entspannten Urlaub verbringen möchte und das gewisse Maß an Komfort benötigt, ist hier definitiv falsch. Wer gerne seinen Rucksack packt und ins Ungewisse loszieht, wird in Timor-Leste sein Paradies finden. Es ist nach wie vor so, dass unheimlich wenig (Reise-)Informationen über Osttimor zu finden sind, sodass man hier noch richtig klassisch erkunden kann ohne irgendwelche To-Do-Listen, Top-10-Aufzählungen oder Reiseführer abzutraben.

Für mich persönlich war Timor-Leste eines der Länder-Highlights meiner Weltreise. Zum jetzigen Zeitpunkt – als ich diese Zeilen tippe – stehen seit Juli im Wesentlichen bereits Georgien, Sri Lanka, Malaysia, Indonesien, Myanmar und eben Timor-Leste zu Buche. Auch wenn ich den Kaukasus in Georgien unbeschreiblich fand, ich mich heimlich in Sri Lanka verliebt habe und meine rund 6 Wochen Indonesien voller Highlights gespickt waren, war Timor-Leste definitiv das bisher größte Abenteuer mit einem unglaublich hohen Erinnerungswert. Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischen kommt, sollte ich von diesen 11 Tagen in Osttimor wohl auch noch in einigen Jahren schwärmen können …

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About Chris

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich mehr als 60 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Seit Juli 2015 wohne ich nun - die Karibik hat es mir sehr angetan - in der Dominikanischen Republik und werde neben der Arbeit das Land abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkunden. Für Fragen und Feedback freue ich mich über jeden Kommentar. Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite. Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen: 1. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben >>> 2. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat >>> 3. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps


4 Responses to Reisebericht Timor-Leste

  1. Reisetiger

    Schöner Bericht! Wir waren im Sommer 2015 hier und abenteuerlich war es auf jeden Fall. Zum Internet möchte ich anmerken: Das Netz im East Dili Backpackers war nach wie vor sagen wir eher theoretisch vorhanden, allerdings ist das Handynetz ganz gut ausgebaut und man hatte so mit dem Handy fast überall eine erstaunlich gute Verbindung! Wie es uns ergangen ist kann man unter http://reisetiger.blogspot.de/2016/02/timor-leste-1-zu-besuch-in.html nachlesen. :) Gute Reise!
    LG, Reisetiger

  2. Jan

    Toller Blog und ein sehr informativer Artikel! Macht weiter so. :-)

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