Mit dem Mietwagen durch Gambia – ein Afrika-Abenteuer in Road-Trip Manier

Mit dem Mietwagen Gambia erkunden – das ist sicher nicht die erste Idee, die die meisten Urlauber haben, wenn Sie an das klein(st)e westafrikanische Land mit seinen schönen Stränden und gemütlichen Resorts denken. Doch ein wenig Abenteuer muss sein – und dieses hatten wir definitiv während unseres Road-Trips durch Gambia. Schon allein die Buchung war eine spezielle Angelegenheit für sich – und die Tour entlang beider Seiten des Gambia Rivers stand dem in nichts nach. Kommt also mit auf diese ganz besondere Reise durch diesen Teil Afrikas.

Reisezeitraum: Dezember 2019 / 2 Tage
Geschrieben: November 2020
Veröffentlicht: Dezember 2020

>>Zum Reisebericht Gambia
>>Zu den Unterkünften in Gambia

Buchung eines Mietwagens in Gambia

Bevor es zum eigentlichen Abenteuer unseres Road-Trips in Gambia kommt, mussten wir erst einmal die Hürde einer Mietwagen-Buchung überspringen, die in Gambia schon ein echtes Abenteuer für sich war. Bei den üblichen Vergleichsportalen wie Check24 (~), Sunny Cars (~) oder Mietwagenmarkt (~) war Gambia überhaupt nicht vertreten. Ihr könnt gerne einmal auf den Webseiten vorbeischauen, ob sich mittlerweile daran etwas geändert hat. Von den großen Autovermietungen haben es bisher nur ganz wenige nach Banjul (Gambias Hauptstadt) bzw. Gambia generell geschafft. Eine Online-Buchung war aber nur schwierig möglich und mit einigen Hürden verbunden.
Meiner Recherche nach gibt es lediglich Avis und Hertz in Gambia, wobei Hertz online nicht buchbar ist und Avis am Wochenende komplett geschlossen hat.

Aus diesem Grund hörten wir uns bei lokalen Vermietern um (u.a. Afriqcars und weitere), die sich rund um unser Hotel, den Seafront Residences, in Serekunda befanden. Viele davon wollten uns entweder keinen Mietwagen in Gambia leihen oder hatten zahlreiche Bedingungen, die uns aber alle nicht passten und einen Road-Trip unmöglich machten, unter anderem:
– Nur wenige Kilometer inklusive und weitere KM-Pakete nicht oder nur extrem teuer zubuchbar
– Benutzung des Mietwagens nur in einem Umkreis von rund 50 Kilometer (wozu benötige ich dann bitte einen Mietwagen)
– Vermietung des Mietwagens nur mit Fahrer

Vor allem der letzte Punkt war ein häufiges Hindernis. Scheinbar ist es in Gambia absolut nicht verbreitet, Mietwagen an Touristen zu verleihen – oft mit dem Hinweis auf die Straßenverhältnisse. Das dies im wahrsten Sinne des Wortes totaler Quatsch ist, erfuhren wir erst während unserer Mietwagen-Reise durch Gambia, denn die Straßen in Gambia sind für afrikanische Verhältnisse in einem Top-Zustand.

Road-Trip mit dem Mietwagen durch Gambia

Mit Hilfe unseres Hotels fanden wir schließlich ECH Rentals, eine kleine Autovermietung in Serekunda. Wir besuchten diese von einem jungen und sympathischen Gambier mit libanesischer Abstammung geführte Mietwagen-Agentur und wähnten uns schon in einer halben Stunde auf den weiten Straßen Gambias.

Doch weit gefehlt, denn zunächst mussten wir auch hier noch einige Hürden für unseren Mietwagen in Gambia überwinden. Die Frage des Selbstfahrens war schnell geklärt. Anschließend sollten wir von Serekunda aus maximal 75 Kilometer weit fahren und konnten ihm ebenfalls unbegrenzte Kilometer aus dem Kreuz leiern. Nachdem auch die Versicherungsfrage geklärt war, ging es noch um die Kaution und die Bezahlung. ECH Rentals hat eigentlich kein Kreditkartengerät und wir hatten nicht ausreichend Cash. Zudem sollte eine hohe Kaution in der gambischen Währung Dalasi hinterlegt werden, die uns im Nachhinein in bar ausgezahlt wird – nur was macht man mit Dalasi im Gegenwert von 1000 US-Dollar an seinem vorletzten Urlaubstag? Letztendlich hinterlegten wir einen Mix aus Euro, US-Dollar und Dalasi als Kaution und bezahlten den Mietwagen über ein Kreditkartengerät, was er in einem der benachbarten Tour-Unternehmen fand. Nach mehr als 1 Stunde Konditionen aushandeln wie auf einem (ruhigen und gesitteten) Basar konnten wir also tatsächlich das Hinterland von Gambia mit dem Mietwagen erkunden. Schaut also gerne einmal bei ECH Rentals vorbei.

Das erste spannende Erlebnis hatten wir somit schon hinter uns. Mit solch einer außergewöhnlichen Mietwagen-Buchung konnte sonst nur unser Abenteuer-Road-Trip in Sumatra mithalten.

Planung unseres Road-Trips in Gambia

Während die Buchung eines Mietwagens in Gambia also gefühlt ewig dauerte und daher auch hier ein langes Kapitel einnimmt, ging die Planung unseres Road-Trips durch das kleinste westafrikanische Land viel schneller. Wir hatten schlichtweg keinen Plan!

Gambia besteht im Prinzip nur aus zwei Hauptstraßen, was der einzigartigen Geografie des Landes geschuldet ist. Eine Straße verläuft südlich des Gambia River, eine Straße nördlich – und dazwischen gab es bis vor wenigen Jahren keine einzige Brücke, allerdings zahlreiche Fähren.

Die Fähre über den Gambia River in Janjanbureh

Auch unterkunftsmäßig gab es nicht allzu viel zu planen, denn abseits der Küstengebiete sind diese in Gambia sehr rar. Wirklich wenige Eco-Lodges, ein paar einfache Dorfhotels und einige Airbnbs – das war es. Festlegen wollten wir uns aber ohnehin nicht, denn wie weit uns unser Road-Trip durch Gambia führen sollte, wussten wir selbst nicht.

Insofern Euch ein wenig Planung wichtig ist, wären die folgenen Unterkünfte eine Option. Diese befinden sich im Landesinneren und bieten gute Möglichkeiten für einen Zwischenstopp, um gleichzeitig die weite Natur Gambias zu erleben.
AbCa’s Creek Lodge (~) (in Kassagne, nähe Bintang)
Sindola Safari Lodge (~) (in Kanilia, an der Grenze zum Senegal)
Bintang Bolong Lodge (~) (in Kassagne, nähe Bintang)

Alle 3 befinden sich jedoch im vorderen, also westlichen Teil von Gambia und damit am Lower Gambia River. Wollt Ihr weiter in das Land hinein, bleibt Euch fast nur Janjanbureh als interessanter Stopp. Unsere Unterkunft dort habe ich Euch hier näher beschrieben.

Das südliche Gambia – linker Hand des Gambia River

Es konnte also endlich losgehen mit unserem Road-Trip durch Gambia, wobei wir zunächst das Südufer erkundeten. Eine der wesentlichen Sehenswürdigkeiten hier ist der Kiang West National Park, der als größtes Naturreservat in Gambia zählt. Hier steht vor allem die Fauna im Vordergrund, denn Ihr könnt hier unter anderem Buschböcke, Wüstenluchse, Krokodile, Mungos, Otter, Paviane und Stummelaffen finde.

Aus Zeitgründen – die gesamte Mietwagen-Prozedur hatte uns am Morgen viel Zeit gekostet – ließen wir diesen Nationalpark zunächst (im wahrsten Sinne des Wortes) links liegen und fuhren stattdessen relativ weit ins Landesinnere. Die Sehenswürdigkeiten hier sind rar – die Szenerie dafür umso spannender.

Road-Trip mit dem Mietwagen durch Gambia

Road-Trip durch das Gambia-River Tal in Gambia

Wir passierten kleine Dörfer, weite Landschaften und dutzende (stets unterhaltsame) Polizei-Checkpoints, zu denen ich weiter unten noch etwas schreibe.

Road-Trip mit dem Mietwagen durch Gambia

Auch das rege Treiben in einigen Ortschaften war spannend zu beobachten, auch wenn (oder gerade weil) Gambia hier komplett ländlich geprägt ist.

Ein weiteres spannendes Ziel entlang des Südufers – bereits weit im Osten von Gambia – ist Janjanbureh auf McCarthy Island. Hierbei handelt es sich um eine beidseitig vom Gambia River umflossene Insel, von der aus es gute Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung sowie zur Sichtung von Nil- und Flusspferden, Schimpansen und Krokodilen gibt. Ebenso lohnt sich ein kurzer Rundgang durch den Ort.

Der kleine Ort Janjanbureh auf McCarthy Island am Gambia River

Der kleine Ort Janjanbureh auf McCarthy Island am Gambia River

Hier übernachteten wir schließlich auch in der Sitaba Camping Lodge, zu der Ihr hier noch einige weitere Informationen findet.

Das nördliche Gambia – rechter Hand des Gambia River

In Janjanbureh nutzten wir schließlich die (verhältnismäßig) unspektakuläre Fähre und setzten auf die Nordseite des Gambia River über.

Hier steuerten wir zunächst Kuntaur an, wo wir eine Bootstour durch den River Gambia National Park unternahmen. Beeindruckend war nicht nur, wie wir im Dorf sofort von dutzenden neugierigen Einheimischen umringt waren (vor allem Kinder), da sich sonst wohl nicht allzu viele Touristen mit Mietwagen hierher verirren.
Beeindruckend war auch die Tour an sich, die wir mit einem lokalen und sehr weisen Guide mit gutem Englisch erleben konnten. Diese führte uns auf dem Gambia-Fluss zu einer Gruppe Nil- bzw. Flusspferde, die entspannt im Wasser relaxten. Auch Schimpansen konnten wir vom Fluss aus an Land beobachten. Vor allem lernten wir enorm viel über die Spezies der Nilpferde, die trotz ihrer oft liebevollen Darstellung richtig gefährliche Tiere sein können.

Nilpferd-Beobachtung im River Gambia National Park

Einen weiteren Stopp legten wir bei den Wassu Stone Circles ein, also den Steinkreisen von Wassu. Hierbei handelt es sich um eine archäologische Stätte, die sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört – einer von nur zwei in in Gambia.

Die Wassu Stone Circles, das einzige UNESCO-Welterbe in Gambia

Die Wassu Stone Circels gehören im Rahmen der senegambischen Steinkreise zur größten Steinkreis-Formatien der Welt. Hier in Wassu sind 11 Steinkreise zu finden, die mit bis zu 2.5 Meter hohen Monolithen einige der größten Steine stellen.

Die Wassu Stone Circles, das einzige UNESCO-Welterbe in Gambia

Über die neu erbaute Brücke bei Farafenni (mautpflichtig) fuhren wir anschließend wieder in Richtung Süden und damit auch in Richtung Serekunda zurück.

Generelle Eindrücke zu unserer Mietwagen-Tour durch Gambia

Im Vorfeld wurde uns von den Vermietern mehrfach abgeraten, dass eine Fahrt auf eigene Faust durch Gambia vor allem aufgrund der Straßenverhältnisse viel zu gefährlich sei. Man muss es ganz einfach so deutlich sagen: dies ist absoluter Schwachsinn!
Vor allem die beiden Hauptstraßen in Gambia – zugleich auch die Einzigen, die für einen Road-Trip wirklich Sinn machen – sind in einem sehr guten Zustand. Wir mussten mehrfach aufpassen, nicht zu schnell zu fahren, denn wir konnten locker mit 100 km/h auf den oft kerzengeraden Straßen entlang düsen. Schlaglöcher oder überraschende Bodenbeläge waren nur selten der Fall, auch andere Hindernisse wie Motorräder, Tiere, Menschen oder ähnliches halten sich im extrem dünn besiedelten Hinterland oft von der Straße fern.

Ein weiterer spannender Punkt waren die ständigen Polizeikontrollen. Im Schnitt aller 10 Kilometer befand sich eine Straßensperre, bei der wir von wirklich freundlichen Beamten oder Militärs gefragt wurden, wohin wir fahren, woher wir kommen, wie es uns geht, ob uns Gambia gefällt, wie das Leben so in Deutschland ist, etc.
Es entwickelte sich wirklich oft zum Small Talk, und die Gambier zeigten ihre enorme Freundlichkeit (ähnlich wie auch im benachbarten Senegal) auch in diesem Bereich. Bei rund 25 Polizeikontrollen in 2 Tagen war zudem nicht ein einziger dabei, der ein Mini-Bestechungsgeld oder andere „Nettigkeiten“ forderte. Lediglich einmal wurden wir nach einer Mitfahrgelegenheit ins nächste Dorf gefragt, wo wir den jungen Militär gerne mitnahmen. 😉

Es war wirklich beeindruckend und ist schon fast eine eigene Story dieser Gambia-Reise.

Road-Trip mit dem Mietwagen durch Gambia

Auch die Beschilderung während unserer Reise war in Ordnung, wobei dies in einem wenig verzweigten Straßennetz und mit Google Maps an der Hand auch nicht allzu entscheidend ist. Spannend waren auf jeden Fall die Eindrücke von der wilden Natur sowie diesen ländlichen Teilen Gambias, die so ganz anders sind als der besiedelte Küstenstreifen.

Fazit

Als sich unsere Suche nach einem Mietwagen in Gambia so schwierig gestaltete und elendig in die Länge zog, waren wir schon kurz davor, unser Vorhaben abzubrechen und einfach nur in Küstennähe zu bleiben. Zum Glück haben wir es nicht getan!

Unser Road-Trip durch Gambia war definitiv ein Highlight unserer Reise, gemeinsam mit der Safari-Exkursion ins Fathala Wildlife Reserva in den Senegal, sogar DAS Highlight schlechthin. Die authentischen Eindrücke, spannende Landschaften und vielfältige Begegnungen möchte ich nicht missen.

Sicher ist solch eine kleine Abenteuer-Tour mit dem Mietwagen in Gambia nicht jedermanns Sache. Wer nur zum Strandurlaub in Gambia ist und noch nicht allzu oft auf der Welt ein Auto gemietet hat, sollte sich unbedingt einen Fahrer nehmen. Für sehr erfahrene Individualreisende ist es aber eine tolle Möglichkeit, diesen unbekannten Teil von Gambia kennenzulernen, der nicht die großen Highlights und Top-Sehenswürdigkeiten (und auch nicht wirklich viel Infrastruktur) zu bieten hat, aber vielfältige und authentische Eindrücke bietet und definitiv ein einzigartiges Erlebnis ist.

Chris (My Travelworld)

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich um die 70 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Von 2015 bis 2019 habe ich in der Dominikanischen Republik gewohnt - die Karibik hat es mir sehr angetan - und habe das Land ausgiebig abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkundet. Seit einigen Monaten bin ich nun als Digitaler (Halb-)Nomade unterwegs und entdecke die Welt, wobei sich meine Home Base weiterhin in der "DomRep" befindet. Für Fragen und Feedback freue ich mich über Eure Kontakt-Aufnahme - am besten per Kommentar unter den jeweiligen Artikel, da es hier auch gleich anderen hilft.
Mehr erfahrt Ihr auf der "Über Mich"-Seite.
Meine Top-Empfehlungen für Eure Reisen:
1. Persönliche Reiseberatung und individuelles Coaching
2. Spar-Tipps & Gutscheine für Eure Hotelbuchungen
3. überall auf der Welt kostenlos Geld abheben
4. immer die richtige Auslands-Krankenversicherung parat
5. nie wieder etwas vergessen: die Packliste mit Insider-Tipps
Vergesst auch nicht, Euch hier für meinen Newsletter einzutragen.

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Bitte einen Kommentar eingeben
Bitte Name eintragen