Reisebericht Antigua (Guatemala) – Guatemala während der Coronakrise

Nein, das wird kein gewöhnlicher Reisebericht. Was wie eine normale Reise begann, änderte sich schon 5 Tage nach meiner Ankunft mit der Schließung aller Grenzen, der Ausrufung des nationalen Notstands in Guatemala sowie spätestens an diesem Tag auch mit der Ankunft der Corona-Pandemie in ganz Lateinamerika. Aus diesem Grund hatte ich anschließend besonders viel Zeit, die unglaublich hübsche Kolonialstadt Antigua kennenzulernen. Zudem hatte ich das Glück, noch kurz vor Ausrufung der Corona-Einschränkungen eines der größten Highlights Guatemalas kennenzulernen – schon allein deswegen hat sich die Reise nach Zentralamerika gelohnt.

Reisezeitraum: März-Juli 2020 / 4 Monate
Geschrieben: Juli 2020
Veröffentlicht: Juli 2020

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Vorwort: zeitliche Einordnung

Am 11. März reiste ich von Kanada nach Guatemala – zu diesem Zeitpunkt war die Coronakrise zwar schon in vollem Gange, doch Lateinamerika war bisher von der Pandemie verschont geblieben. Aus diesem Grund trat ich die Reise auch wie geplant an, zumal es – vor allem als Touristiker und Vielreisender – außerhalb meiner gesamten Vorstellungskraft lag, dass eines Tages nahezu alle Grenzen weltweit geschlossen sein sollten. Maximal ein Krieg hätte dies in meinen Gedanken auslösen können – aber nicht ein Virus.

Am Abend des 11. März begann im Prinzip das Unheil. Der amerikanische Präsident Trump schloss die amerikanische Grenze für Europäer. Da dieser für die eine oder andere Spontanaktion bekannt ist, hätte ich auch hier nicht gedacht, dass dies in eine Kettenreaktion von weltweiten Grenzschließungen gipfeln würde – vor allem nicht auf dem lateinamerikanischen Kontinent, der bis dahin von Corona noch weitestgehend verschont geblieben ist.

Nur 5 Tage später war es dann allerdings soweit. Gerade, als ich mir ernsthaftere Gedanken über eine Rückkehr in die Dominikanische Republik machte, verkündete der Präsident am Mittag, dass um Mitternacht die Grenzen geschlossen und alle Flüge storniert werden. Bei den meisten Reisenden setzte pures Chaos ein, denn jeder versuchte, irgendwie zum Flughafen zu kommen und ein Ticket zu ergattern.

Für den Moment entschied ich mich, zu bleiben, was letztendlich in meiner längsten „Reise“ in einem Land gipfelte – rein statistisch gesehen. 121 Tage lang war ich in Guatemala, davon 120 Nächte in Antigua und genau eine Nacht auf dem Vulkan Acatenango. Natürlich sah ich während dieser 4 Monate gerade einmal einen Bruchteil von dem, was ich sonst während dieser Zeitspanne erlebe, doch dies war nicht unbedingt negativ, wie ich Euch weiter unten noch erklären werde. Endlich hatte ich Zeit für meine bereits seit langer Zeit anstehenden persönlichen Projekte.

Letztendlich war es auch die richtige Entscheidung, in Guatemala zu bleiben, denn die Dominikanische Republik schloss nur 3 Tage später ebenso alle Grenzen. Hätte ich den einzig noch offenen, sehr langwierigen Ausweg über die Landgrenze nach Mexiko genommen, wäre ich am Ende wohl in den USA stecken geblieben. Mental, gesundheitlich und finanziell wäre dies wohl eine der schlechtesten Lösungen gewesen …

Die hübsche Kolonialstadt Antigua

Nahezu 4 Monate in Antigua – die ehemalige Hauptstadt von Guatemala – gaben mir natürlich genug Zeit, die Stadt zu erkunden – wenngleich alle Sehenswürdigkeiten, Kirchen, Museen und Aktivitäten ab Ausrufung des Notstands geschlossen bzw. verboten waren. Doch die braucht es in Antigua gar nicht unbedingt, denn die Stadt ist wirklich ein Augenschmaus. Die vielen bunten Fassaden, die historischen Häuser, das omni-präsente Kopfsteinpflaster und die Jahrhunderte alten Kirchen bzw. Ruinen bieten ein Feuerwerk der Fotomotive, welches in dieser Form seinesgleichen sucht.

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Der Plaza Mayor in Antigua, Guatemala

Die Kirche San Pedro im historischen Antigua, Guatemala

Hinzu kommt die einzigartige Lage in einem Hochtal, eingekesselt von mehreren Vulkanen, die bis an die 4000 Meter heranreichen. Besonders der Blick nach Südwesten ist spektakulär, da man hier gleich 3 Vulkane auf einen Blick sieht: den 3976 Meter hohen Acatenango, den stets Feuer spuckenden Fuego sowie den direkt vor den Toren Antiguas in die Höhe schießenden Agua.

Ausblick vom Ojala Hotel auf die drei Vulkane vor den Toren Antiguas: Agua, Fuego und Acatenango

Durch diese Lage bietet Antigua übrigens auch ein extrem attraktives Klima, welches ich so in dieser Form bisher selten erlebt habe. Tagsüber sind es in der Regel zwischen 24 und 26 Grad – also gerade warm genug, aber auf der anderen Seite nicht zu heiß. Abends, nachts und am Morgen kühlt es jedoch bis auf 14 Grad ab, was einen sehr angenehmen Schlaf mit dicken Decken ermöglicht – etwas, was ich sonst in der Karibik bei 23-25 Grad Nachttemperatur nicht habe.

Die 3 genannten Vulkane sind es auch, die das Stadtbild prägen – so zum Beispiel beim Arco de Santa Catalina, das wohl berühmteste Fotomotiv in Antigua dank des Agua-Vulkan im Hintergrund.

Der Arco de Santa Catalina mit dem Vulkan Agua im Hintergrund, eine der Sehenswürdigkeiten in Antigua

Wie Ihr im Foto schon seht, hatte ich das Glück, Antigua nahezu ohne Touristen zu erleben, besonders nach Schließung der Grenzen sowie Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen. Normal ist Antigua schon sehr touristisch, was bei einigen Besuchern schon wieder negativ ankommt. Und es stimmt, vor allem in den ersten Tagen war es eindrucksvoll zu sehen, welche Masse an (auf internationale Besucher ausgerichtete) Bars, Restaurants, Sprachschulen, Reisebüros und Cafés es in Antigua gibt. Auch alle großen Fastfood-Ketten sind in der Kleinstadt mit gerade einmal rund 35.000 Einwohnern vertreten. Zudem ist Antigua aufgrund der geringen Lebenshaltungskosten bei Digitalen Nomaden sehr beliebt, weswegen ich schon ab und an mit der ehemaligen Hauptstadt von Guatemala geliebäugelt hatte. Und in der Tat lässt es sich in Antigua sehr preiswert leben, auch wenn es gemeinhin etwas teurer ist als im restlichen Guatemala.

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

My Travelworld Info-Box

Einige Preisbeispiele für Antigua:
– gutes Hostel – ca. 10 USD im Schlafsaal
– einfaches Doppelzimmer – ab ca. 30 USD pro Nacht
– Mittagessen an Marktständen – 10-15 GTQ (ca. 1.25 € – 2 €)
– Tagesmenü in einem einfachen Restaurant – 25-35 GTQ (ca. 3 – 4.50 €)
– Bier in einer Bar – 25 GTQ (ca. 3 Euro)
– Früchte und Gemüse auf dem Markt – extrem günstig
– Preise im Supermarkt – im Schnitt leicht günstiger als in Deutschland
– französischer Bäcker – 1.50 Euro bis 3 Euro für ein Brot, welches mit gutem deutschem Brot mithalten kann 😉
2-Tages-Tour auf den Acatenango-Vulkan: ca. 40 Euro

Dennoch stören die vielen auf Touristen gerichteten Geschäfte nicht, da sich alles perfekt in das Stadtbild von Antigua einbettet. Selbst McDonalds, Pizza Hut, Taco Bell & Co. sind im kolonialen Stil gestaltet und haben so gar nichts mit dem typisch amerikanischen Franchise-Design gemeinsam. Die vielen historischen Innenhöfe laden hier zum Verweilen ein und geben der Stadt ein besonderes Flair.

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Somit macht es Spaß, durch die Stadt zu laufen und die vielen schönen Ansichten zu genießen. Hinzu kommt, dass Antigua auch wirklich sicher ist, sodass man sich hier – unter Berücksichtigung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen in armen Ländern – auch keine Gedanken machen muss.

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Mit konkreten Sehenswürdigkeiten in Antigua kann ich Euch an dieser Stelle leider nicht großartig dienen, da diese mit Start der Einschränkungen im Zuge der Coronakrise alle geschlossen waren. Einzig den zentralen Rathausplatz („Plaza Mayor“) sah ich zu Beginn meines Aufenthalts noch in seiner vollen Blüte. Ebenso unternahm ich die kurze, rund 20-minütige Wanderung zum Cerro de la Cruz, einem Aussichtspunkt oberhalb von Antigua. Auf einer meiner späteren Wanderungen durch die Berge im Umland hatte ich jedoch einen besseren Blick auf Antigua, sodass ich Euch stattdessen lieber diese Perspektive hierlasse.

Ausblick auf Antigua, Jocotenango sowie den Vulkan Agua

Ein ausbrechender Vulkan: die Highlights Acatenango und Fuego

Antigua ist wie beschrieben von einer Reihe von Vulkanen umgeben, wobei der Fuego-Vulkan der Bekannteste ist. Zum Glück hatte ich vor dem Inkrafttreten der Corona-Beschränkungen noch die Möglichkeit, dieses absolute Highlight zu erleben.

Um was geht es hier? Der Fuego ist ein hochaktiver Vulkan, der im Schnitt aller 3-6 Minuten sichtbar ausbricht. Dies geht einher mit Rauchwolken, Vulkandonnern bis hin zu den Berg hinunterströmenden Lavaflüssen. Selbst aus dem 15 Kilometer entfernten Antigua sind die Rauchsäulen und Lavafontänen bei guter Sicht zu sehen.

Der beeindruckende Fuego-Vulkan während eines Ausbruchs bei Nacht

Spektakulär wird es allerdings, wenn man auf den dem Fuego gegenüber liegenden Vulkan Acatenango hinaufwandert – denn statt 15 Kilometer wie im Falle von Antigua ist man dann nur noch rund 3 Kilometer entfernt. Aus dieser Nähe kann man dieses Phänomen in besonders beeindruckender Form genießen. Stellt Euch einfach vor, Ihr sitzt bei Nacht in eisiger Kälte (Minustemperaturen sind auf 3.500 Metern Höhe auch in Guatemala keine Seltenheit) draußen und könnt in unmittelbarer Entfernung einen Feuer und Lava spuckenden Vulkan beobachten – ein faszinierendes Naturschauspiel.

Der beeindruckende Fuego-Vulkan während eines Ausbruchs bei Nacht

Wie Ihr diese Tour unternehmen könnt, findet Ihr in meinem ausführlichen Bericht über die Wanderung auf den Acatenango mit beeindruckendem Blick auf den Fuego-Vulkan.

Es ist schon überraschend, dass dieses einzigartige und wirklich ungewöhnliche Naturspektakel verhältnismäßig unbekannt ist. Umso dringender würde ich jedem empfehlen – sobald Reisen wieder uneingeschränkt möglich sind – Euch diese Tour auf Eure ganz persönliche To-Do-Liste zu schreiben. Denn es handelt sich hierbei um eine außergewöhnliche Tour, die ich so bisher noch nicht erlebt habe.

Ob dieses Gänsehaut fördernden Erlebnis‘ wird der Aufstieg auf den Acatenango selbst, mit 3976 Metern immerhin der höchste Gipfel der gesamten Region, fast zur Nebensache. Und in der Tat, die Wanderung an sich ist eher unspektakulär. Was sich einfach immer wieder lohnt, ist der Blick auf den Fuego-Vulkan und die Umgebung.

Der beeindruckende Fuego-Vulkan während eines Ausbruchs bei Nacht

Dennoch sollte man auch den Gipfel bezwingen, denn das Gefühl, auf nahezu 4000 Meter zu stehen und dies mit eigener Kraft (bzw. eigenem Atem) geschafft zu haben, ist nicht zu verachten – und der Ausblick kann sich auch hier sehen lassen.

Blick vom Acatenango-Vulkan in Richtung Atitlan-See

Mehr findet Ihr wie gesagt in meinem ausführlichen Bericht über die Tour zum Acatenango und Fuego.

Corona-Bekämpfung und -Einschränkungen in Guatemala

Einen Tag nach meiner Rückkehr von der 2-Tages-Expedition zum Acatenango sollten sich meine Reisepläne dann schlagartig ändern. Der Präsident von Guatemala verkündete bei gerade einmal 6 (!) landesweiten diagnostizierten Corona-Fällen die Schließung aller Grenzen, eine nächtliche Ausgangssperre ab 21:00, die Stornierung aller Flüge, die Einstellung des kompletten ÖPNV, das Verbot von Touren und geführten Aktivitäten sowie die vorübergehe Schließung von Restaurants, Bars, Sehenswürdigkeiten und anderen nicht notwendigen Dingen.

Gerade für die armen Ländern dieser Welt sind solche Beschränkungen ein schwerer Schlag. Wie die Familie ernähren, wenn es keine Kundschaft mehr gibt? Wie Geld verdienen, wenn ich nicht mehr zur Arbeit komme? Wie den Lebensunterhalt sichern, wenn man eigentlich vom Tourismus abhängig ist? Fragen, auf die sicher einige Guatemalteken heute noch keine Antwort haben. Umso beeindruckender ist es, mit welch positiver Mentalität derartige Länder immer wieder solche schweren Probleme angehen. Während Deutschlands größtes Problem die Maskenpflicht scheint (definitiv ein über Leben und Tod entscheidendes Problem … ), wird in Guatemala versucht, das Leben weiter zu leben, so gut es eben geht. Die Ruhe und Gelassenheit der Leute hat mir definitiv imponiert, vor allem in den ersten Tagen der Beschränkungen, wo noch nicht klar war, wie es weitergeht, ob die Versorgung gesichert ist, welche weiteren Einschränkungen noch kommen werden und ob vielleicht sogar ein kompletter 24-Stunden-Lockdown bevorsteht – der im Nachbarland El Salvador bereits Realität war.

Das „neue Normal“ wurde in Guatemala somit schnell zur Realität und zur alltäglichen Begegnung. Jeder auf der Straße trug brav seine Maske. Insofern es möglich war, wurde der Mindestabstand eingehalten (Platz und Kultur bereiten hier leider Probleme … ) und bis auf ein paar wenige verbotene Untergrundpartys wurde die mittlerweile bereits mehr als 3 Monate andauernde Ausgangssperre eingehalten, die in der Regel von der Abend- bis zur Morgendämmerung andauerte.

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Es ist fast schon tragisch, dass die Maßnahmen nach heutigem Stand (Mitte Juli) außer der Verlangsamung der Corona-Infektionskurve nicht viel gebracht haben. Von einem Gipfel oder der Abflachung der Kurve ist Guatemala auch 4 Monate nach Auftreten des ersten Falles (scheinbar) noch weit entfernt. Dies ist aber kein ausschließliches Problem von Guatemala, sondern aller lateinamerikanischer Länder, denn nahezu überall steigen die Infektionszahlen mit unverminderter Geschwindigkeit weiter an. Während in Deutschland und anderen europäischen Ländern rund 2-3 Monate nach Auftreten der ersten Fälle eine deutliche Verlangsamung der Infektionskurve eingetreten ist, lässt sich dies für Lateinamerika noch nicht absehen. Dies sehe ich im Wesentlichen an 3 Gründen:
1) die „Latino-Mentalität“: Latinos mögen einfach die körperliche Nähe, sie umarmen gerne und haben generell einen sehr geringen Komfort-Abstand zu anderen Personen. Selbst wenn ein Latino seine übliche Distanz zu anderen Personen verdoppelt, ist er einer anderen Person immer noch viel näher als ein Deutscher.
2) die Lebenssituation: in vielen lateinamerikanischen Ländern ist es üblich, mit großen Familien auf kleinem Raum zu leben, sowohl aus oben genannten Gründen als auch aufgrund der finanziellen Situation. Physical Distancing fällt einfach schwerer, wenn man mit seinen 5 Brüdern und 12 Cousinen in einem Haus wohnt.
3) das Gesundheitssystem: aufgrund des schlechten Zustands und/oder fehlender Krankenversicherung bei vielen Einwohnern, bleiben diese lieber zu Hause, anstatt sich behandeln zu lassen – und stecken damit die ohnehin deutlich größeren Familien an (siehe Punkt 1)

Die bunten Farben und historischen Häuser der Kolonialstadt Antigua in Guatemala

Immerhin konnten mit den Maßnahmen wohl brasilianische oder ecuadorianische Verhältnisse verhindert werden. Auch das ist etwas wert, wenngleich man natürlich fragen muss, wie viele Guatemalteken derzeit und in den kommenden Jahren an erhöhter Armut leiden oder sterben werden.

Das Leben in Antigua in Zeiten von Corona

Mit Stichtag des 16.03. und der Schließung der Grenzen war ich nun also „gefangen“ in Antigua. Zwar gab es noch Auswege, zum Beispiel die Reise über den Landweg nach Mexiko (aufgrund eingestellten ÖPNV aber sehr teuer) oder den von der Deutschen Botschaft organisierten Rückholflug Anfang April, doch für meinen speziellen Fall mit Lebensmittelpunkt in der Dominikanischen Republik nützte mir dies eher wenig.

Also arrangierte ich mich so gut es ging mit dem Leben in Antigua – und das ging ziemlich gut. Wie Ihr oben schon gesehen habt, hätte die Umgebung durchaus schlechter sein können. Auch in diesem milden Bergklima ließ es sich sehr gut aushalten und arbeiten. Doch auch die Rahmenbedingungen passten bestens, denn ich hatte nicht nur eine perfekte Unterkunft, sondern in der Nähe auch einen Markt, auf dem ich mich für so lange Zeit wirklich perfekt versorgen konnte.

Bei meiner Unterkunft handelte es sich um das Ojala Hotel, ein super schönes koloniales Gebäude im Herzen von Antigua. Einzigartig hierbei war, dass das Ojala Hotel (~) über zwei Innenhöfe mit jeweils sehr grünem und liebevoll angelegtem Garten verfügte, wodurch ich stets das Gefühl hatte, draußen zu sein. Und in der Tat war das komplette Hotel mit seinen zahlreichen Hängematten und Sitzmöglichkeiten so konzipiert, dass man immer an der frischen Luft war. Während ich in Deutschland also in einer Wohnung gelebt hätte, konnte ich trotz viel Arbeit am Computer täglich von 08:00 bis 24:00 die Bergluft und gelegentlichen Sonnenschein genießen.

Das Ojala Hotel in Antigua, eine der schönen Unterkünfte in der Kolonialstadt Guatemalas

Somit hatte ich auch das Gefühl von Freiheit, auch wenn zum Beispiel vereinzelte Tage eine komplette Ausgangssperre herrschte.
Hinzu kam die Dachterrasse, die zwar kaum gestaltet war, aber sich bestens für Sport anbot und zudem einen perfekten Blick auf Antiguas Vulkane, Acatenango, Fuego und Agua, ihr Eigen nennen konnte. Ab und an sahen wir Fuego sogar direkt von der Unterkunft aus ausbrechen.

Ausblick vom Ojala Hotel auf die drei Vulkane vor den Toren Antiguas: Agua, Fuego und Acatenango

Vom Ojala Hotel hatte ich es schließlich weniger als 5 Minuten zu Fuß zum großen Markt von Antigua. Für eine 36.000-Einwohner-Stadt war dieser wirklich enorm weitläufig, in den zahlreichen Gängen und Reihen konnte man sich regelrecht verlieren.
Jedoch bot er mir auch eine enorme Freude, da ich hier die komplette Vielfalt Guatemalas sehen, probieren und zu einem sehr günstigen Preis einkaufen konnte. Vor allem im Bereich von Früchten und Gemüse war es ein reines Paradies, doch auch wer Klamotten oder andere Dinge des täglichen Bedarfs suchte, wurde auf dem Markt von Antigua fündig.

Der tägliche Markt von Antigua in Guatemala

Für mich als Hobbykoch, Vegetarier und Smoothie-Fan bedeutete dies natürlich eine reine Freude. Viele Dinge konnte ich so in der Küche ausprobieren und trotz meiner großen Erfahrung in tropischen Ländern auch die eine oder andere neue Frucht- oder Gemüsesorte kennenlernen.

Smoothie in Antigua, Guatemala

Extrem spannend fand ich in Guatemala auch die Vielfalt an eben jenen Sorten – über jegliche Klimazonen hinweg. Erdbeeren, Pfirsiche, Mangos, Bananen, Blaubeeren, Blumenkohl, Bohnen, Avocados und vieles mehr – egal welche Temperaturen es braucht, in Guatemala wächst es. Aufgrund der verschiedenen Klimazonen – tropische Hitze im Flachland und milderes bis kühles Klima in den Bergen – fühlt sich in Guatemala nahezu jede Sorte heimisch, sodass das Land in diesem Bereich nahezu nichts importieren muss, was sich wiederum extrem positiv auf die Preise auswirkt.

Der tägliche Markt von Antigua in Guatemala

Mit diesen Voraussetzungen – einer Top-Unterkunft sowie super frischer Verpflegung – konnte ich während der Corona-Monate perfekt an meinen persönlichen Projekten arbeiten. Dazu zählte unter anderem die Weiterentwicklung von My Travelworld, welches ich nach 9 Jahren auf einen neuen und modernen Stand gebracht habe – über die Jahre hatte sich diesbezüglich einiges angesammelt. Weiterhin habe ich mit Punta Cana Travel Blog (~) einen neuen Reiseblog gestartet. Hierbei bewege ich mich zum ersten Mal auf englischsprachiges Terrain und möchte meine unzähligen Erfahrungen und Kenntnisse nach 5 Jahren in der Dominikanischen Republik auch mit dem angelsächsischen Raum teilen. Natürlich wird es hierbei aber auch für Euch einige Neuigkeiten geben, schaut also auf jedem Fall mal bei meinem neuen Projekt herein. Ebenso habe ich mich ein wenig im Bereich Finanzen weitergebildet und habe vor allem den Corona-Börsencrash für einige Investitionen genutzt.

Arbeiten als Digitaler Nomade im Ojala Hotel

Ganz nebenbei kam die Zeit in Guatemala auch meinen eigenen Finanzen zugute. Nicht nur, dass ich wie gesagt mich ein wenig mit der Finanzwelt beschäftigt habe, auch die Preise in Guatemala entlasteten mein Budget in einer Zeit, in der auch mein Einkommen nahezu komplett weggebrochen ist. Meine Unterkunft in Antigua war günstiger als jede Wohnung, die ich in Deutschland oder in der Dominikanischen Republik hätte finden können und mit dem erwähnten Markt direkt nebenan konnte ich mich so günstig mit besten Lebensmitteln versorgen, dass ich mit 100 US-Dollar im Monat für meine Verpflegung auskam.

Fazit

Es hätte mich mit Corona also definitiv schlimmer treffen können und meine Entscheidung, in Guatemala zu bleiben und die Zeit in Antigua zu verbringen, war definitiv richtig. Die viele Zeit konnte ich überwiegend produktiv nutzen, auch wenn ich voraussichtlich erst 2021 oder 2022 sehen werde, ob diese Arbeit Früchte trägt.
Auch Antigua an sich war ein hübsches Plätzchen und mit der Wanderung auf den Acatenango und der Beobachtung des ausbrechenden Fuego-Vulkans konnte ich noch ein spektakuläres Highlight vor dem Lockdown mitnehmen – vielleicht sogar das Non-Plus-Ultra in Guatemala. Wenn Ihr den entsprechenden Bericht lest, werdet Ihr sehen, dass sich schon deswegen die Reise gelohnt hat.
Dennoch freue ich mich natürlich auch, nun einen Schritt weiter zu gehen und langsam wieder in ein normaleres Leben zu starten, oder in das „New Normal“, wie es so schön heißt. Zwar ist auch in der Dominikanischen Republik Corona noch voll vertreten und keinesfalls bereits auf dem Rückzug, aber ein wenig mehr Freiheiten gibt es dort dann doch – und auch soziale Kontakte, die nach solch langer Zeit dann auch mal wieder guttun.
In dem Sinne bin ich gespannt, was die kommenden Monate bringen werden, wie vor allem Lateinamerika Corona meistern wird und wie es im Tourismus bis zum Ende des Jahres weitergeht.

Chris (My Travelworld)

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich um die 70 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Von 2015 bis 2019 habe ich in der Dominikanischen Republik gewohnt - die Karibik hat es mir sehr angetan - und habe das Land ausgiebig abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkundet. Seit einigen Monaten bin ich nun als Digitaler (Halb-)Nomade unterwegs und entdecke die Welt, wobei sich meine Home Base weiterhin in der "DomRep" befindet. Für Fragen und Feedback freue ich mich über Eure Kontakt-Aufnahme - am besten per Kommentar unter den jeweiligen Artikel, da es hier auch gleich anderen hilft.
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