Reisebericht Tschechische Republik – Böhmisches Paradies und Tschechisches Riesengebirge

Wer hat schon einmal vom Böhmischen Paradies gehört? Die Region zwischen dem Riesengebirge und Prag ist gemeinhin gänzlich unbekannt, bietet aber überraschend viele Sehenswürdigkeiten und Geheimnisse. So befinden sich rund um die Stadt Turnov (Turnau), gewissermaßen das Zentrum des Böhmischen Paradies‘, viele interessante Burgen, historische Städte, beeindruckende Landschaftsformationen (vor allem im Bereich von Schluchten und Sandsteinfelsen) sowie weitere Geheimnisse wie Brauereien oder Höhlen mit kristallklaren Seen. Es ist also tatsächlich so etwas wie ein kleines, unbekanntes Paradies. Was genau Ihr hier entdecken könnt, findet Ihr in diesem Reisebericht über eine gänzlich überraschende Region in der Tschechischen Republik.

Reisezeitraum: Dezember 2019 / 2 Tage
Geschrieben: Juni 2020
Veröffentlicht: Juli 2020

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Wo liegt das Böhmische Paradies und wie kamen wir dorthin?

Während man in der Tschechischen Republik in der Regel nur die Böhmische Schweiz, Prag, das Bäderdreieck und das Riesengebirge kennt, ist das Böhmische Paradies eine mindestens ebenso interessante und vor allem im Gegensatz zu den anderen genannten Vertretern unbekannte Region. Sie befindet sich zwischen dem Riesengebirge und Prag, etwas weiter im Westen des Böhmischen Paradies ist auch die Böhmische Schweiz zu finden.

Vor unserem kleinen Road-Trip hatte auch ich noch nie etwas vom Böhmischen Paradies gehört. Eigentlich wollten wir auch gar nicht dorthin, doch da im Riesengebirge nahezu alle Unterkünfte ausgebucht waren, stieß ich auf der Suche nach Alternativen auf diese spannende Gegend.

Kommt Ihr aus dem Norden oder der Mitte Deutschlands, fahrt Ihr ziemlich sicher über Dresden ins Böhmische Paradies. Von Dresden aus sind es rund 175 Kilometer bis nach Turnov. Aus Süddeutschland würdet Ihr über Prag anreisen. Die tschechische Hauptstadt ist knapp 100 Kilometer vom Böhmischen Paradies entfernt. Kommt Ihr im Rahmen eines Osteuropa Road-Trips aus Polen, sind es von Wroclaw (Breslau) aus rund 200 Kilometer und vom polnischen Riesengebirge nur rund 85 Kilometer.

Unsere Unterkunft im Böhmischen Paradies buchte ich in Semily. Zwar ist der Ort jetzt sich nicht unbedingt ein kleines Schmuckkästchen, strategisch günstig gelegen ist er aber allemal. Zudem befindet sich mit dem Wanderweg „Riegerpfad“ eine der Attraktionen direkt vor den Toren von Semily. Auch der Gipfel Kozákov ist nicht weit, dazu aber später mehr. Sucht Ihr ein gutes, aber günstiges Hotel in Semily, kann ich Euch das Hotel Obecní Dům empfehlen (~), welches sich in einem historischen Stadthaus befindet.

Unsere Highlights im Böhmischen Paradies

Zunächst ging es für uns auf den Kozákov, den mit 744 Metern höchsten Berg des Böhmischen Paradies‘. Hier gibt es nicht nur einen Aussichtsturm sowie ein Wirtshaus, sondern auch eine Straße bis ganz nach oben. Da diese allerdings vereist war, nutzten wir einen der zahlreichen Wanderwege, um nach oben zu kommen. Highlight des Kozákov ist die spektakuläre Aussicht, denn es wartet ein 360 Grad-Panoramablick vom Gipfel. So konnten wir unter anderen die kompletten Südhänge des tschechischen Riesengebirges sehen und sogar die Skigebiete rund um Harrachov (Harrachsdorf) und Špindlerův Mlýn (Spindlermühle). Auch einen nahezu verzaubernden und romantischen Blick gen Süden konnten wir genießen, bei dem wir die Silhouette der Burg Trosky bestaunen konnten, die auch als Symbol für das Böhmische Paradies gilt.

Ausblick vom Kozakov im Böhmischen Paradies in der Tschechischen Republik

Der fantastische Ausblick vom Kozakov im Böhmischen Paradies

Unser zweites Ziel waren die Dolomithöhlen von Bozkov. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Höhlensystem, welches zugleich auch den größten unterirdischen See in Böhmen beheimatet. Das System kann auf einer ca. 45-minütigen geführten Tour mit Guide (Guide spricht Tschechisch, Übersetzungen auf Deutsch oder Englisch per Audio-Guide) begangen werden. Die Informationen sind interessant und der See sehenswert, vor allem dank seiner Farben.

Die Dolomitenhöhlen in Bozkov im Böhmischen Paradies

Das dritte Ziel sollte eigentlich der Riegerpfad direkt bei Semily werden, ein entlang der Jizera (Iser) führender Wanderweg, der dank Aussichten, enger Schluchten und einer knapp 80 Meter hohen Hängebrücke eine spannende Tour bietet. Aufgrund von mäßigem Wetter sowie der Aussicht auf Schnee in höheren Lage entschieden wir uns dann am Start aber für die Fahrt nach Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) und hoben uns den Riegerpfad für den nächsten Besuch auf – vielleicht ja mal im Sommer.

Der Riegerpfad in Semily im Böhmischen Paradies

Was gibt es sonst noch im Böhmischen Paradies zu sehen?

Wenn es beim nächsten Mal im Sommer klappen sollte, warten noch eine Reihe anderer Sehenswürdigkeiten im Böhmischen Paradies auf uns, denn bei meiner Recherche für unseren kurzen Road-Trip stellte ich fest, dass es hier noch viel zu entdecken gibt.

Zum einen sind hier die zahlreichen Felsformationen zu nennen. Hierzu zählt vor allem Hruboskalsko, die bekannteste der Felsenstädte im Böhmischen Paradies.
Zum anderen gibt es viele großartige Wandergegenden, die von unwirklich erscheinenden Felsformationen geprägt sind. So könnt Ihr zum Beispiel durch die Pschichraser Felsen oder die Prachover Felsen wandern, die beide eine spektakuläre Naturkulisse bieten.

Weiter geht es mit den Burgen und Schlössern. Wie schon beschrieben ist die Burg Trusky quasi eine Ikone im Böhmischen Paradies. Auch das benachbarte Hruba Skala ist sehr bekannt und eindrücklich. Weitere der dutzenden Burgen und Schlösser sind zum Beispiel die Burg Vranov oder die Burg Kost.

Und falls im Böhmischen Paradies mal schlechtes Wetter sein sollte, könnt Ihr auch einen Abstecher nach Mlada Boleslav (Jungbunzlau) unternehmen, welches sich am südlichen Rand des Böhmischen Paradies in Richtung Prag befindet. Hier gibt es ein echtes Unikat der Tschechischen Republik: das Skoda-Museum.

Abstecher ins Winter-Paradies Spindlermühle

Für uns ging es vom Böhmischen Paradies jedoch weiter ins Riesengebirge. Nachdem ich nur 5 Monate zuvor den polnischen Teil des Riesengebirges besuchte – u.a. auch mit Abstechern auf die tschechische Seite – war ich nun erneut vor Ort, diesmal jedoch im Winter sowie am Fuße des tschechischen Teils. Wir steuerten den Wintersportort Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) an, der auch über die Tschechische Republik hinaus Bekanntheit genießt. Als wir dort ankamen, war auch klar, warum wir ursprünglich keine Unterkunft fanden: das ganze Land hatte sich ob der Feiertage hier versammelt und war sowohl auf den Skipisten als auch zu Fuß im Ort unterwegs.

Der Urlaubsort Spindlermühle im Riesengebirge der Tschechischen Republik

Überraschend waren für mich dabei die durchaus hohen Preise. Während zumindest bei mir die Skigebiete der Tschechischen Republik ein wenig die Reputation haben, ein Günstig-Reiseziel für all jene zu sein, die die immer weiter steigenden Skipasspreise in Österreich oder der Schweiz nicht mehr bezahlen wollen, stellte sich dies beim Blick auf die Skigebietsinfos als Trugschluss heraus. Mehr als 40 Euro musste man für einen Tagesskipass löhnen, was angesichts des dann im Vergleich zu den Alpen doch überschaubareren Angebots an Skipisten sehr teuer ist.

Zum Glück war aber ohnehin nicht das Skigebiet unser Ziel, sondern die Winterwanderwege rund um Špindlerův Mlýn (Spindlermühle). Ein schöner und gemütlicher Weg führt hier durch das Tal der Elbe, die hier noch in ihren Kinderschuhen steckt. Wie schon einige Tage zuvor in der Region rund um den Reschensee konnten wir auch hier wieder ein wunderschönes Winter-Wonderland erleben – das Gebirge kann eben nicht nur im Winter richtig bezaubernd sein.

Wanderung durch das Elbtal im Riesengebirge der Tschechischen Republik

Ein weiterer Punkt machte diese Tour noch interessanter: 5 Monate zuvor bei unserer Reise ins polnische Riesengebirge wanderten wir vom Reifträger zur Elbquelle und dann weiter zum Elbfall und Panschefall. Auf der damaligen Tour sahen wir nicht nur die tatsächliche Quelle der Elbe am Kilometer 0, sondern nach dem Elbfall auch eine beeindruckende Schlucht, durch die die Elbe kurz nach ihrem Start fließt. Genau in dieser Schlucht wanderten wir nun, allerdings eben unten IN der Schlucht, wenn auch an ihrem Beginn. Dennoch sahen wir die Elbe hier ebenfalls nur rund 10 Kilometer nach ihrer Quelle, also wirklich ganz frisch. Wollt Ihr mehr zur spannenden Elbquelle wissen, könnt Ihr in diesem Artikel weiterlesen.

Wanderung durch das Elbtal im Riesengebirge der Tschechischen Republik

Fazit

Von Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) aus fuhren wir schließlich wieder gen Heimat, welche ebenfalls nur rund 3 Stunden Fahrt entfernt ist. Es war lediglich ein kurzer Abstecher in die Tschechische Republik, der aber vor allem beim Böhmischen Paradies richtig Lust auf mehr machte. Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit, weswegen es sich hier auch eher um einen Kurzbericht denn um einen ausführlichen Reisebericht handelt. Ein längerer Besuch wird aber sicher mal nachgeholt werden. Spannend war vor allem, so viele großartige Schätze in einer Region zu finden, die ich bisher überhaupt noch nie gehört hatte. Auch das Riesengebirge bot erneut tolle Momente der Natur, auch wenn man hier nicht unbedingt an Feiertagen oder in den tschechischen Ferien reisen sollte.

Habt Ihr diesen Teil der Tschechischen Republik bereits besucht? Was sind Eure Favoriten im Böhmischen Paradies und im Riesengebirge bzw. was wollt Ihr Euch bei Eurer nächsten Reise anschauen?

Chris (My Travelworld)

Ich bin Christian und liebe das Reisen genauso, wie darüber zu berichten - deswegen dieser Reiseblog. Nachdem ich 3 Jahre im Paradies der Karibik (Insel Grenada) gelebt habe, bin ich mit dem Rucksack um die Welt gereist. Mittlerweile habe ich um die 70 Länder besucht, das Reisefieber ist aber immer noch nicht gestillt. Von 2015 bis 2019 habe ich in der Dominikanischen Republik gewohnt - die Karibik hat es mir sehr angetan - und habe das Land ausgiebig abseits von All-Inclusive und Hotelkomplex erkundet. Seit einigen Monaten bin ich nun als Digitaler (Halb-)Nomade unterwegs und entdecke die Welt, wobei sich meine Home Base weiterhin in der "DomRep" befindet. Für Fragen und Feedback freue ich mich über Eure Kontakt-Aufnahme - am besten per Kommentar unter den jeweiligen Artikel, da es hier auch gleich anderen hilft.
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2 KOMMENTARE

  1. Hallo Chris,

    Danke für den schönen Bericht. Die Teschechische Republik ist auch jetzt in der Corona-Zeit ein guter Reisetipp. Du kommst von Deutschland mit Auto recht schnell hin. Das Gesundheitssystem ist gut und es gibt jede Menge zu entdecken: Tolle Landschaften, super Essen, freundliche Menschen. Aber das schreibst Du ja alles in Deinem Bericht. :-)

    Viele Grüße
    Julia

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